
Bahn-Infrastruktur testet vertikale Logistik-Lösungen zur Entlastung des Schienennetzes
In einer Zeit, in der das Wort Pünktlichkeit bei der Deutschen Bahn als archaische Folklore gilt, setzt der Konzern in München nun auf radikale Konzepte der Schwerkraft-Logistik. Zwei Waggons eines Güterzugs demonstrierten eindrucksvoll den direkten Weg von der maroden Infrastruktur in das urbane Untergeschoss. Während Fahrgäste im Regionalverkehr gewöhnlich in unklimatisierten Geisterzügen auf ihre Erlösung warten, zeigt der Güterverkehr endlich Initiative: Wenn das Gleisbett vor Sanierungsstau kapituliert, wird die Brücke eben zur Rampe für den vertikalen Warenfluss deklariert. Verkehrsminister Wissing, dessen Leidenschaft für Schienen in etwa der eines Metzgers für vegane Wurst entspricht, dürfte diese physikalische Umverteilung von oben nach unten als zukunftsweisendes Outsourcing der Lagerhaltung begrüßen. Es ist die letzte Konsequenz einer Privatisierungsideologie, die Rollmaterial nicht mehr als Transportmittel, sondern als fliegende Installationen im öffentlichen Raum begreift. Dass die Bahn nun sogar Brücken als Abkürzungen nutzt, zeugt von einer Flexibilität, die man sonst nur bei den Ausreden der Pressestelle für Verspätungen findet. In München hat man nun immerhin die Gewissheit: Die Bahn kommt zwar nicht auf die Sekunde genau, dafür aber mit einer kinetischen Energie, die selbst Newton den Angstschweiß auf die Stirn getrieben hätte. Wenn das Schienennetz ohnehin nur noch aus Ruinen besteht, ist es nur konsequent, den Zugverkehr direkt in die archäologische Ebene zu verlegen. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt, dass die Waggons pünktlicher am Boden ankamen als der Durchschnitts-ICE im Bahnhof; die Gravitation bleibt schlicht der einzige Dienstleister im Mobilitätssektor, auf dessen Termintreue man sich in diesem Land noch blind verlassen kann.