
Elfmeter-Diplomatie in Toronto: DFB-Elf schlägt Elfenbeinküste durch effiziente Rohstoff-Aneignung
In einer Performance, die atmosphärisch zwischen einer Hauptversammlung der BASF und einem gescheiterten Sektsempfang beim Bundesverwaltungsgericht changierte, hat sich die deutsche Nationalmannschaft mit einem 2:1 gegen die Elfenbeinküste ins Achtelfinale gemartert. In Toronto bewies das Team von Bundestrainer Julian Nagelsmann, dass man fußballerische Überlegenheit am besten durch das konsequente Ignorieren von Ästhetik simuliert. Während die Ivorer den Ball mit einer Leichtigkeit behandelten, die in deutschen Amtsstuben als ordnungswidrig gilt, setzte die DFB-Auswahl auf die bewährte Strategie der zermürbenden Belanglosigkeit. Der Siegtreffer fiel schließlich so uninspiriert, dass selbst die kanadischen Stadionbetreiber kurzzeitig überlegten, die Flutlichtanlage wegen akuter Ereignislosigkeit auf Notstrombetrieb umzustellen. Es ist die große deutsche Kunst der sportlichen Invasions-Simulation: Man besetzt den gegnerischen Strafraum mit der gleichen bürokratischen Sturheit, mit der ein deutscher Rentner morgens um halb sechs sein Handtuch auf einer Liege in Antalya drapiert. Dass die Elfenbeinküste technisch brillierte, blieb eine Randnotiz in einem Spiel, das vor allem bewies, dass man im deutschen Fußball keine Seele braucht, solange die Arithmetik der Gruppenphase stimmt. Am Ende stand fest: Deutschland siegt nicht, Deutschland wickelt den Gegner administrativ ab. Sollte dieser Trend einer mühsam erkämpften Überlegenheit anhalten, steht dem Titelgewinn eigentlich nur noch der Umstand im Wege, dass Fußball gelegentlich auch etwas mit Talent zu tun haben könnte. Die K.-o.-Phase erwartet uns bereits mit der Vorfreude eines Zahnarztes auf eine Wurzelbehandlung ohne Betäubung.