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In Kolumbien findet heute das große Finale der beliebten Reality-Show Wer wird Millionär, bevor er das Staatsbudget veruntreut statt. Die Wähler stehen vor der intellektuellen Herkulesaufgabe, sich zwischen zwei Kandidaten zu entscheiden, die beide so vertrauenswürdig wirken wie ein Gebrauchtwagenhändler mit Sonnenstich. Der rechte Kandidat liegt in den Umfragen vorn, da er verspricht, die omnipräsente Gewalt bewaffneter Gruppen mit genau der gleichen Methode zu bekämpfen, die schon seit Jahrzehnten so hervorragend nicht funktioniert: noch mehr Bewaffnung für alle, außer natürlich für die, die eine andere Meinung haben. Es ist die klassische Entscheidung zwischen Pest und Cholera, wobei der rechte Flügel hier eher auf die bewährte Methode der Schocktherapie setzt, bei der der Patient zwar stirbt, aber wenigstens die Frisur des Chirurgen sitzt. Während die Weltöffentlichkeit so tut, als ginge es um Demokratie, wissen die Einheimischen längst, dass ein Kopf-an-Kopf-Rennen in Kolumbien meistens bedeutet, dass am Ende beide Köpfe rollen, metaphorisch versteht sich, im Sinne politischer Karrieren. Jenny Barke berichtet von vor Ort, wo die einzige echte Wahlmöglichkeit darin besteht, ob man den Korruptionsskandal lieber mit Rotwein oder Aguardiente herunterspült. Am Ende siegt ohnehin die Logik des Stärkeren, was in diesem Kontext bedeutet, dass derjenige gewinnt, dessen Wahlkampfbudget die meisten Nullen aufweist, die nicht nur auf den Stimmzetteln sitzen. Wer braucht schon politische Stabilität, wenn man das aufregende Gefühl haben kann, dass der gewählte Präsident seine Ministerliste vermutlich direkt aus dem Branchenbuch der lokalen Schutzgelderpresser rekrutiert.
Ausland

Kolumbien wählt zwischen Kettensägen-Romantik und dem Versprechen, weniger schnell wegzulaufen

In Kolumbien findet heute das große Finale der beliebten Reality-Show Wer wird Millionär, bevor er das Staatsbudget veruntreut statt. Die Wähler stehen vor der intellektuellen Herkulesaufgabe, sich zwischen zwei Kandidaten zu entscheiden, die beide so vertrauenswürdig wirken wie ein Gebrauchtwagenhändler mit Sonnenstich. Der rechte Kandidat liegt in den Umfragen vorn, da er verspricht, die omnipräsente Gewalt bewaffneter Gruppen mit genau der gleichen Methode zu bekämpfen, die schon seit Jahrzehnten so hervorragend nicht funktioniert: noch mehr Bewaffnung für alle, außer natürlich für die, die eine andere Meinung haben. Es ist die klassische Entscheidung zwischen Pest und Cholera, wobei der rechte Flügel hier eher auf die bewährte Methode der Schocktherapie setzt, bei der der Patient zwar stirbt, aber wenigstens die Frisur des Chirurgen sitzt. Während die Weltöffentlichkeit so tut, als ginge es um Demokratie, wissen die Einheimischen längst, dass ein Kopf-an-Kopf-Rennen in Kolumbien meistens bedeutet, dass am Ende beide Köpfe rollen, metaphorisch versteht sich, im Sinne politischer Karrieren. Jenny Barke berichtet von vor Ort, wo die einzige echte Wahlmöglichkeit darin besteht, ob man den Korruptionsskandal lieber mit Rotwein oder Aguardiente herunterspült. Am Ende siegt ohnehin die Logik des Stärkeren, was in diesem Kontext bedeutet, dass derjenige gewinnt, dessen Wahlkampfbudget die meisten Nullen aufweist, die nicht nur auf den Stimmzetteln sitzen. Wer braucht schon politische Stabilität, wenn man das aufregende Gefühl haben kann, dass der gewählte Präsident seine Ministerliste vermutlich direkt aus dem Branchenbuch der lokalen Schutzgelderpresser rekrutiert.

21.06.2026, 04:01 · Ausgabe Nr. 106

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Kolumbien wählt heute einen neuen Präsidenten. Zunehmende Gewalt bewaffneter Gruppen ist ein dominierendes Thema und spielt dem rechten Kandidaten bei der Stichwahl in die Hand - der nun in Umfragen leicht vorne liegt. Von Jenny Barke.

Quelle: tagesschau.de