
Inselbegabung: Großbritannien plant den Brexit vom Brexit durch kollektives Verjüngungselexier
Zehn Jahre nach der glorreichen Selbstamputation stellt das Vereinigte Königreich fest, dass die wiedergewonnene Souveränität primär daraus besteht, autonom im eigenen Saft zu schmoren. Während die Generation Silberrücken noch immer versucht, den Mangel an frischem Gemüse durch rüstigen Patriotismus und das Auswendiglernen der Stammbäume von Corgis zu kompensieren, zeigt sich die Jugend undankbar. Über 80 Prozent der Unter-25-Jährigen wollen den Exit vom Brexit – eine Quote, die normalerweise nur nordkoreanische Wahlergebnisse oder die Fluchtinstinkte von Passagieren auf sinkenden Luxuslinern erreicht. Die britische Regierung reagiert gewohnt souverän und erwägt ernsthaft, das Älterwerden einfach gesetzlich zu verbieten, um die demografische Katastrophe der EU-Sympathisanten abzuwenden. Man muss es sich vorstellen wie eine WG, die lautstark ausgezogen ist, nur um zehn Jahre später im strömenden Regen am Fenster zu stehen und zu behaupten, man wolle eigentlich nur prüfen, ob der Putz im Treppenhaus noch der britischen Norm entspricht. Dass die einstigen Architekten des Desasters heute vermutlich als Berater für Crash-Kurse in angewandter Selbstsabotage fungieren, verleiht der Szenerie eine Note von tragikomischer Dekadenz. London ist mittlerweile der einzige Ort der Welt, an dem man für ein Visum ansteht, um in einem Pub Fish and Chips zu essen, die nach nostalgischem Isolationismus und Chlor schmecken. Am Ende bleibt die bittere Erkenntnis: Der Brexit war ein historischer Erfolg für alle, denen eine funktionierende Wirtschaft schon immer zu oberflächlich und ein unkomplizierter Warenverkehr zu unbritisch war.