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Während die westliche Welt noch mühsam versucht, ökologische Fußabdrücke zu verringern, hat China auf Haihuadao den ökologischen Mittelfinger direkt in den Meeresboden gerammt. Die Meeresblumeninsel, eine künstliche Archipel-Gewordene Hybris, beweist eindrucksvoll, dass man Luxus-Eigentumswohnungen auch dort bauen kann, wo selbst Fische an Depressionen leiden. Wer braucht schon Dubai, wenn man für das dreifache Budget eine Geisterstadt im Stile einer stalinistischen Disneyland-Kopie haben kann. Das Projekt ist ein architektonisches Oxymoron: Festgeld in flüssiger Form, das nun schneller wegtaucht als die Glaubwürdigkeit der Evergrande-Bilanzen. Wenn der Kommunismus das Glück des Volkes verspricht, meint er offenbar die grenzenlose Freiheit, in einer leerstehenden Penthousesuite auf das offene Meer zu starren, während der eigene Bankberater die Koffer packt. Es ist die ultimative Form der chinesischen Effizienz: Man hat nicht nur Immobilienblasen erschaffen, sondern gleich ganze Inseln, die als gigantische Korallenriffe für gescheiterte Kredite dienen. Hier wird die Immobilienkrise nicht mehr nur verwaltet, sondern als maritimes Mahnmal inszeniert. Die Inseln sind so leer, dass man das Echo der platzenden Spekulationsblasen bis nach Peking hört, wobei der einzige nennenswerte Zuzug wahrscheinlich aus Schalentieren besteht, die nun endlich in Marmorbädern wohnen dürfen. Am Ende zeigt sich die bittere Ironie des Fernost-Kapitalismus: Haihuadao ist kein Ort zum Leben, sondern das teuerste Aquarium der Welt, in dem die einzigen Lebewesen die Anleger sind, die nach Luft schnappen, während ihr Kapital geräuschlos im Pazifik versinkt.
Wirtschaft

Beton-Bonsai im Ozean: China erfindet das weltweit erste schwimmende Mahnmal für Größenwahn

Während die westliche Welt noch mühsam versucht, ökologische Fußabdrücke zu verringern, hat China auf Haihuadao den ökologischen Mittelfinger direkt in den Meeresboden gerammt. Die Meeresblumeninsel, eine künstliche Archipel-Gewordene Hybris, beweist eindrucksvoll, dass man Luxus-Eigentumswohnungen auch dort bauen kann, wo selbst Fische an Depressionen leiden. Wer braucht schon Dubai, wenn man für das dreifache Budget eine Geisterstadt im Stile einer stalinistischen Disneyland-Kopie haben kann. Das Projekt ist ein architektonisches Oxymoron: Festgeld in flüssiger Form, das nun schneller wegtaucht als die Glaubwürdigkeit der Evergrande-Bilanzen. Wenn der Kommunismus das Glück des Volkes verspricht, meint er offenbar die grenzenlose Freiheit, in einer leerstehenden Penthousesuite auf das offene Meer zu starren, während der eigene Bankberater die Koffer packt. Es ist die ultimative Form der chinesischen Effizienz: Man hat nicht nur Immobilienblasen erschaffen, sondern gleich ganze Inseln, die als gigantische Korallenriffe für gescheiterte Kredite dienen. Hier wird die Immobilienkrise nicht mehr nur verwaltet, sondern als maritimes Mahnmal inszeniert. Die Inseln sind so leer, dass man das Echo der platzenden Spekulationsblasen bis nach Peking hört, wobei der einzige nennenswerte Zuzug wahrscheinlich aus Schalentieren besteht, die nun endlich in Marmorbädern wohnen dürfen. Am Ende zeigt sich die bittere Ironie des Fernost-Kapitalismus: Haihuadao ist kein Ort zum Leben, sondern das teuerste Aquarium der Welt, in dem die einzigen Lebewesen die Anleger sind, die nach Luft schnappen, während ihr Kapital geräuschlos im Pazifik versinkt.

22.06.2026, 13:00 · Ausgabe Nr. 123

Original Nachricht

Sie ist inspiriert von Dubais künstlichen Palmeninseln - nur größer: die künstlich aufgeschüttete Inselgruppe Haihuadao. Heute ist das Projekt ein Symbol für Chinas Immobilienkrise. Von Benjamin Eyssel.

Quelle: tagesschau.de