
Wüsten-Washing: Saudi-Arabien kauft den Ball flach und die Welt gewogen
In einer Zeit, in der das Konzept des klassischen Sportgeistes glücklicherweise durch die herzerfrischende Effizienz des Petrodollars ersetzt wurde, zeigt Saudi-Arabien, wie man moderne Diplomatie am besten mit dem Schienbeinschoner betreibt. Es ist ein rührendes Märchen aus Tausendundeiner Überweisung: Das Königreich investiert Milliarden in das Spiel mit dem runden Leder, um endlich das alte Vorurteil auszuräumen, man könne sich Sympathie nicht einfach per Dauerauftrag sichern. Während Moritz Behrendt noch über strategische Ziele sinniert, haben Cristiano Ronaldos Bankkonten bereits die Form eines kleinen Nationalstaates angenommen. Das Prinzip ist bestechend simpel: Wenn die Welt dich wegen deiner Menschenrechtsbilanz schief ansieht, kaufst du einfach das Licht aus und stellst den teuersten Flutstrahler der Geschichte davor. Es handelt sich hierbei um ein rein evolutionäres Modell im Fußballwesen: Früher brauchte man Talente, heute braucht man nur noch ein ausreichend großes Bohrloch und die Bereitschaft, alternden Weltstars ein Gehalt zu zahlen, das selbst Dagobert Duck in eine existentielle Krise stürzen würde. Die Saudis haben verstanden, dass man die moralische Instanz FIFA nicht bestechen muss, man muss ihr lediglich das Gefühl geben, dass Goldbarren eigentlich nur sehr schwere Panini-Sammelbilder sind. Letztlich ist das Ganze ohnehin nur konsequent: Wer die fossilen Brennstoffe der Welt kontrolliert, darf auch bestimmen, wann die Abseitsfalle zuschnappt. Am Ende gewinnt immer der Sport, vorausgesetzt, der Sport hat ein diskretes Nummernkonto auf den Cayman Islands und eine Vorliebe für klimatisierte Wüstenstadien in der Größe von Kleinstädten.