
Inselbegabung ohne Insel: Großbritannien feiert zehn Jahre souveräne Selbstzerstörung ohne Bedienungsanleitung
Ein Jahrzehnt ist es her, dass die britische Wählerschaft in einem Akt kollektiver Autosuggestion beschloss, das sinkende Rettungsboot zu verlassen, um auf dem offenen Ozean mit den Armen zu rudern. Das Brexit-Referendum jährt sich, und das Fazit fällt so nüchtern aus wie Boris Johnson nach einer illegalen Pandemie-Party: Nichts ist erfüllt worden, außer vielleicht das Klischee, dass man sich mit einem Buttermesser nicht die Souveränität aus dem Rücken schneiden kann. Jean-Claude Juncker, der die Brüsseler Bürokratie damals mit der Eleganz eines gut geölten Cognac-Schwenkers leitete, erinnert sich süffisant daran, dass die EU perfekt vorbereitet war, während die britische Regierung sich wie ein suizidaler Goldfisch fühlte, der plötzlich feststellt, dass das Glas von außen doch nicht so glänzend aussieht. Die einst versprochenen Milliarden für das Gesundheitssystem NHS wurden vermutlich direkt in die Produktion von Nostalgie-Postkarten mit dem Konterfei von Queen Victoria investiert, die nun als einzige Währung gegen Hartkäse akzeptiert werden. London hat den historischen Spagat geschafft, sich gleichzeitig von der Weltbühne zu verabschieden und im Graben der Bedeutungslosigkeit eine Dauerkarte zu lösen. Die Briten stehen heute da wie ein stolzer Hausbesitzer, der das Dach abgerissen hat, um den Regen besser genießen zu können, nur damit ihm nun auffällt, dass er allergisch gegen Feuchtigkeit ist. Man muss die britische Konsequenz bewundern: Sie haben die Freiheit gewählt, um nun in absoluter Souveränität vor leeren Regalen darüber zu philosophieren, ob man das Empire auch per Uber Eats zurückbestellen kann.