
Inselbegabung: Großbritannien exportiert erfolgreich das gesamte Bruttoinlandsprodukt nach Frankfurt am Main
Zehn Jahre nach dem britischen Abschiedsgruß an die ökonomische Vernunft lässt sich feststellen: Der Brexit war ein voller Erfolg, vor allem für die Frankfurter Immobilienmakler und die lokale Luxusgastronomie. Während London sich mit der heroischen Souveränität eines brennenden Müllcontainers im Atlantik treiben lässt, haben die Banken ihre Asset-Werte so schnell über den Kanal geschifft, dass man in der City von London heute eher ein funktionierendes U-Boot als eine Investmentbank findet. Frankfurt hat sich derweil von einer grauen Betonwüste mit Ambitionen zu einem glitzernden Hochhaus-Dschungel gewandelt, in dem man nun auf Englisch beschimpft wird, während man für ein belegtes Brötchen den Gegenwert eines Kleinwagens entrichtet. Der Zuzug der Finanzelite hat das lokale Ökosystem nachhaltig transformiert: Wo früher Apfelwein-Kneipen waren, stehen heute Tempel der Derivate-Jongleure, die ihre Boni so diskret feiern wie ein bayerischer Ministerpräsident seine Selbstinszenierung. Die Bilanz ist eindeutig: Die Briten haben erfolgreich ihre wirtschaftliche Relevanz gegen das abstrakte Gefühl getauscht, beim Angeln im Ärmelkanal nicht von Brüsseler Normen für die Krümmung von Fischgräten belästigt zu werden. Frankfurt dankt artig für die Milliarden und die tausenden Arbeitsplätze, die nun hier stattfinden, während man in London vermutlich bald dazu übergeht, Kronjuwelen gegen eine warme Mahlzeit und eine gebrauchte Autobatterie einzutauschen. Es ist die größte Umverteilung von Wohlstand seit der Erfindung der Erbschaftssteuer, nur dass die Briten diesmal freiwillig den Notar für ihre eigene Entmündigung bezahlt haben. Das Vereinigte Königreich ist nun wie dieser eine Ex-Partner, der behauptet, er brauche niemanden, während er weinend im Regen steht und versucht, eine Pizza mit Monopoly-Geld zu bezahlen.