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In Deutschlands Schienennetz, das derzeit die charmante Grundstimmung eines zerfallenden Freilichtmuseums für Industriearchäologie ausstrahlt, bahnt sich eine ästhetische Sensation an. Der italienische Anbieter Italo klopft an die Pforten der Bundesnetzagentur, um dem dumpfen Mief aus abgestandenem Bistro-Kaffee und chronischer Resignation ein Ende zu setzen. Man verspricht sich viel: Wo bisher konditionierte Deutsche in Fleecejacken drei Stunden auf einen Anschlusszug warten, der laut App bereits vorgestern abgefahren ist, soll künftig mediterrane Lässigkeit den Kollaps versüßen. Experten vermuten, dass der Einstieg der Italiener vor allem psychologische Vorteile bringt. Wenn man schon in der Pampa zwischen Hamm und Bielefeld strandet, dann doch lieber mit einem tadellosen Espresso und der Gewissheit, dass das Personal zumindest so gut geschnittenen Zwirn trägt, dass man über die Inkompetenz der Signalanlagen galant hinwegsiehen kann. Die Bundesnetzagentur prüft derweil mit der Geschwindigkeit einer arthritischen Schnecke, ob der deutsche Markt so viel Wettbewerb überhaupt verträgt oder ob das Kartell der Verspätungs-Apathiker dadurch nachhaltig traumatisiert wird. Es ist die letzte Hoffnung für ein Land, dessen Bahninfrastruktur mittlerweile die Konsistenz von überkochten Spaghetti hat, ohne dabei deren Geschmack zu besitzen. Die einzige Gefahr besteht darin, dass Italo so pünktlich ist, dass der deutsche Fahrgast vor Schreck einen Herzinfarkt erleidet, weil er plötzlich Zeit für sein eigentliches Leben hat, statt es in zugigen Wartehallen zu verschwenden. Am Ende gewinnt vermutlich wie immer der Stillstand, denn nichts fürchtet die Deutsche Bahn mehr als Konkurrenz, die zeigt, dass Rad-Schiene-Systeme tatsächlich keine theoretische Physik auf Quantenniveau sind, sondern schlichtweg Handwerk.
Wirtschaft

Verspätung mit Stil: Bundesnetzagentur hofft auf Espresso statt Ersatzverkehr

In Deutschlands Schienennetz, das derzeit die charmante Grundstimmung eines zerfallenden Freilichtmuseums für Industriearchäologie ausstrahlt, bahnt sich eine ästhetische Sensation an. Der italienische Anbieter Italo klopft an die Pforten der Bundesnetzagentur, um dem dumpfen Mief aus abgestandenem Bistro-Kaffee und chronischer Resignation ein Ende zu setzen. Man verspricht sich viel: Wo bisher konditionierte Deutsche in Fleecejacken drei Stunden auf einen Anschlusszug warten, der laut App bereits vorgestern abgefahren ist, soll künftig mediterrane Lässigkeit den Kollaps versüßen. Experten vermuten, dass der Einstieg der Italiener vor allem psychologische Vorteile bringt. Wenn man schon in der Pampa zwischen Hamm und Bielefeld strandet, dann doch lieber mit einem tadellosen Espresso und der Gewissheit, dass das Personal zumindest so gut geschnittenen Zwirn trägt, dass man über die Inkompetenz der Signalanlagen galant hinwegsiehen kann. Die Bundesnetzagentur prüft derweil mit der Geschwindigkeit einer arthritischen Schnecke, ob der deutsche Markt so viel Wettbewerb überhaupt verträgt oder ob das Kartell der Verspätungs-Apathiker dadurch nachhaltig traumatisiert wird. Es ist die letzte Hoffnung für ein Land, dessen Bahninfrastruktur mittlerweile die Konsistenz von überkochten Spaghetti hat, ohne dabei deren Geschmack zu besitzen. Die einzige Gefahr besteht darin, dass Italo so pünktlich ist, dass der deutsche Fahrgast vor Schreck einen Herzinfarkt erleidet, weil er plötzlich Zeit für sein eigentliches Leben hat, statt es in zugigen Wartehallen zu verschwenden. Am Ende gewinnt vermutlich wie immer der Stillstand, denn nichts fürchtet die Deutsche Bahn mehr als Konkurrenz, die zeigt, dass Rad-Schiene-Systeme tatsächlich keine theoretische Physik auf Quantenniveau sind, sondern schlichtweg Handwerk.

24.06.2026, 13:00 · Ausgabe Nr. 150

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In den kommenden Tagen will die Bundesnetzagentur über den Einstieg von Italo in das deutsche Schienennetz entscheiden. Mehr Wettbewerb könnte für Bahnfahrer eine bessere Qualität und niedrigere Preise bedeuten. Von Anna Giordano.

Quelle: tagesschau.de