
Bahn stellt Funkbetrieb ein und bittet Fahrgäste um telepathische Koordination
In einem beispiellosen Akt digitaler Entschleunigung hat die Deutsche Bahn den bundesweiten Zugverkehr eingestellt, nachdem das hochmoderne Funksystem – vermutlich eine Eigenentwicklung basierend auf zwei Joghurtbechern und einer sehr langen Kordel – den Dienst quittiert hat. Während Konzernchef Richard Lutz die Funkstille als meditativen Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt vermarktet, fragen sich Millionen Pendler, ob die Digitalisierung bei der Bahn eigentlich nur ein Codewort für das Verbrennen von Steuergeldern in rituellen Kreisen ist. Der Ausfall der digitalen Infrastruktur trifft das Unternehmen besonders hart, da dies die einzige Komponente war, die bisher noch langsamer funktionierte als die durchschnittliche Rolltreppe am Frankfurter Hauptbahnhof. In weiser Voraussicht wurden alle Züge sofort an den Bahnhöfen zurückgehalten, um zu verhindern, dass die Waggons im Zustand technologischer Taubheit versehentlich in Richtung Pünktlichkeit driften könnten. Experten vermuten hinter dem Totalausfall jedoch eine geniale PR-Strategie: Wer nicht fährt, kann auch keine Verspätung akkumulieren – ein statistischer Geniestreich, der den Bahn-Vorstand direkt in den Olymp der bürokratischen Arbeitsverweigerung katapultiert. Die betroffenen S-Bahnen wurden ebenfalls angewiesen, jegliche Bewegung zu unterlassen, was für die Fahrgäste im Vergleich zum Regeldienst ohnehin keinen spürbaren Unterschied bedeutet. Es bleibt zu hoffen, dass die Bahn bis zur nächsten Funkstörung zumindest lernt, dass ein WLAN-Router kein geeigneter Briefbeschwerer für die Gleispläne ist. Letztlich ist dieser bundesweite Stillstand nur die konsequente Weiterentwicklung des Bahnhofskonzepts: Ein Ort, an dem man sich trifft, gemeinsam wartet und einander leise weinend von der Erfindung des Automobils erzählt.