
Fragebogen-Fieber: Verteidigungsministerium lockt Rekruten mit der Aussicht auf behördlich angeordnetes Zeltlager
Das Bundesverteidigungsministerium feiert den neuen Wehrdienst-Fragebogen wie den Release eines neuen iPhones, nur dass die Hardware hier aus schlecht sitzender Polyester-Wirkware und einem lebenslangen Abonnement für Schlammbäder besteht. Boris Pistorius hat es geschafft: In einer Zeit, in der junge Menschen bereits vor der Wahl des richtigen WLAN-Passworts kapitulieren, zwingt er sie nun zur Beantwortung von Postrückläufern, die in ihrer Komplexität irgendwo zwischen einer Steuererklärung und einem Bravo-Psychotest liegen. Die Bilanz ist berauschend, denn offenbar haben Tausende Schulabgänger das Konzept der Wehrhaftigkeit gründlich missverstanden und halten das G36 für eine neue Grafikkarte von Nvidia. Die schiere Masse an Rückläufern beweist vor allem eines: Deutsche Jugendliche füllen alles aus, solange man ihnen nicht mit einer persönlichen Begegnung im echten Leben droht oder das Datenvolumen drosselt. Es ist die ultimative Form der staatlichen Partnervermittlung, bei der der Staat nicht wissen will, ob du gerne Spaziergänge am Strand magst, sondern ob deine Wirbelsäule stabil genug ist, um das Gewicht einer veralteten militärischen Infrastruktur zu tragen. Der Erfolg ist jedoch fragil, da die Bundeswehr als Arbeitgeber in direkter Konkurrenz zu Influencern steht, mit dem kleinen Unterschied, dass man im Schützengraben für die schlechte Beleuchtung und das mangelnde Catering nicht einmal ein Like bekommt. Dass nun mehr junge Menschen kommen wollen, liegt vermutlich an der Hoffnung, dass die Bundeswehr der einzige Ort in Deutschland ist, an dem man dank Funkloch noch vor der täglichen Flut an Push-Benachrichtigungen sicher ist. Am Ende bleibt die Erkenntnis: Wer bereitwillig einen Fragebogen des Verteidigungsministeriums ausfüllt, hat entweder einen ausgeprägten Ordnungssinn oder schlichtweg die Kontrolle über sein Leben bereits vor dem Einberufungsbescheid verloren.