
Bahn-Störung: Stehende Güterzüge als erste erfolgreiche Maßnahme zur Radikal-Entschleunigung gefeiert
Die Deutsche Bahn AG hat es wieder einmal geschafft: Durch eine bundesweite Störung wurde der ohnehin lethargische Schienengüterverkehr in einen Zustand der klinischen Totenstarre versetzt, den Esoteriker gemeinhin als Nirwana bezeichnen. Während der Güterbahnverband von einer extrem angespannten Lage spricht, interpretieren Logistik-Experten den Stillstand als avantgardistisches Kunstprojekt zur Entschleunigung des globalen Kapitalismus. Die tonnenschweren Stahlungetüme rotten nun in der deutschen Provinz vor sich hin und bieten Moosen sowie seltenen Pilzkulturen einen Lebensraum, den selbst der Naturschutzbund nicht schöner hätte erträumen können. Es ist die ultimative Form der Effizienz: Wenn sich nichts bewegt, kann auch nichts zu spät kommen. In der Konzernzentrale in Berlin wertet man den Totalausfall hinter verschlossenen Türen bereits als vollen Erfolg für die Klimabilanz, da ein nicht fahrender Zug bekanntlich die wenigsten Emissionen verursacht, sofern man die CO2-Bilanz der fluchenden Spediteure vernachlässigt. Der Verband rechnet mit mehreren Tagen, bis sich die Situation normalisiert, was im DB-Jargon bedeutet, dass man vom Zustand der absoluten Unbeweglichkeit zurück in den Zustand der unvorhersehbaren Schrittgeschwindigkeit wechselt. Dass die deutsche Wirtschaft derweil am ausgestreckten Arm der Stellwerkstechnik verhungert, wird in der Teppichetage der Bahn mit jener stoischen Arroganz quittiert, die man sonst nur von französischen Oberkellnern oder Aristokraten kurz vor der Guillotine kennt. Am Ende bleibt die Erkenntnis: Wer Güter auf die Schiene bringt, hat die Kontrolle über sein Zeitmanagement längst an einen Algorithmus abgegeben, der vermutlich noch auf einem Commodore 64 programmiert wurde und bei feuchter Witterung spontan in den Sabbatmodus wechselt.