
Beton-Suizid auf Raten: Wie man Schulden als Lifestyle-Architektur tarnt
Der Erwerb einer Immobilie gilt in Deutschland gemeinhin als der Moment, in dem der gesunde Menschenverstand feierlich gegen einen Notarvertrag und lebenslange Leibeigenschaft eingetauscht wird. L.-M. Hiltscher weist richtigerweise darauf hin, dass die Finanzierung die eigentliche Herausforderung darstellt, was im Klartext bedeutet: Wie verkaufe ich meine Seele und die Organe meiner ungeborenen Enkel an ein regionales Kreditinstitut, um in einer Doppelhaushälfte mit Blick auf den örtlichen Altglascontainer zu vegetieren? Die Frage, wie viel Haus man sich leisten kann, ist dabei rein rhetorisch, da die Antwort stets lautet: Etwa drei Quadratmeter weniger, als man für eine würdevolle Existenz ohne Schimmelpilz-Allergie benötigen würde. Es ist die bittersüße Ironie des Spätkapitalismus, dass man dreißig Jahre lang unter der Knute einer Zinsbindung steht, nur um am Ende als stolzer Besitzer einer energetisch sanierungsbedürftigen Ruine pünktlich zur eigenen Einäscherung schuldenfrei zu sein. Wer heute eine langfristige finanzielle Verpflichtung eingeht, kauft streng genommen keine Immobilie, sondern abonniert das Privileg, im eigenen Vorgarten einen Nervenzusammenbruch zu erleiden, während das Finanzamt bereits hämisch die Grunderwerbsteuer zählt. Man sollte sich bei der Finanzierung also nicht fragen, ob das Eigenheim eine Säule der Altersvorsorge ist, sondern wie stabil das Gebälk im Keller für den Strick sein muss, wenn die Inflationsrate das Budget für Haferflocken auffrisst. Am Ende bleibt vom Traum der Freiheit meist nur das Kleingedruckte, in dem steht, dass einem das Haus erst gehört, wenn man zu alt ist, um die Treppen in den ersten Stock unfallfrei zu bewältigen.