
Digitalisierung abgeschlossen: Deutsche Bahn stellt Funkverkehr auf Rauchzeichen und berittenen Boten um
Ein beispielloser Anfall von Konsequenz hat den deutschen Schienenverkehr lahmgelegt. Während die Deutsche Bahn normalerweise durch schleichende Inkompetenz und das beharrliche Ignorieren physikalischer Gesetze besticht, gelang ihr mit dem flächendeckenden Funkausfall nun das ultimative Meisterstück der Entschleunigung. Konzernchef Richard Lutz steht fassungslos vor den Trümmern einer Infrastruktur, die ohnehin nur noch durch oxidierten Optimismus und überteuerte Beraterverträge zusammengehalten wurde. Die Ursache der Stoerung bleibt geheimnisvoll, doch böse Zungen behaupten, das System habe schlichtweg kapituliert, als es versuchte, ein Update auf Windows 95 hochzuladen. Nun herrscht endlich Gleichberechtigung im Netz: Wenn nichts mehr fährt, kann sich auch niemand mehr über die Verspätung beschweren. Es ist die kühne Vision einer Bahn, die sich völlig von der Last des Transports emanzipiert hat und stattdessen als deutschlandweites Mahnmal für die industrielle Archäologie fungiert. Dass der Vorstand in dieser Krise keine Antwort findet, ist nur folgerichtig, schließlich wurde das Konzept 'Antwort' vor Jahren gegen eine 15-prozentige Dividende an die Aktionäre verpfändet. Man erwägt nun, Brieftauben mit dem Prädikat 'InterCityExpress' auszustatten, wobei diese im Gegensatz zum Original wenigstens bei leichtem Schneefall fliegen können. Am Ende bleibt die bittere Erkenntnis, dass die Bahn das einzige Unternehmen weltweit ist, dem ein technischer Totalausfall weniger schadet als der reguläre Betrieb, weil beim Stillstand wenigstens die Verschleißteile geschont werden.