
Klimaanlagen im Check: Warum Ihr Stromzähler jetzt die Schallmauer durchbricht
Wenn die Außentemperaturen das Niveau eines mittleren Vulkanausbruchs erreichen, erwacht im deutschen Eigenheimbesitzer der archaische Wunsch nach sibirischer Kälte im Schlafzimmer. Michelle Goddemeier stellt sich in ihrem investigativen Kraftakt die Frage, ob diese elektrischen Eisblöcke tatsächlich als Stromfresser gelten, während der durchschnittliche Verbraucher bereits sein Erstgeborenes an den lokalen Energieversorger verpfändet, um die Innentemperatur von unerträglichen zweiundzwanzig auf angenehme elf Grad zu peitschen. Es ist die einzige Form von moderner Alchemie, die funktioniert: Man verwandelt flüssiges Kapital in kalte Luft und CO2, während der Stromzähler im Keller eine Drehzahl entwickelt, die ihn als Antrieb für eine zivile Raumfahrtmission qualifizieren würde. Die Kritik am ökologischen Fußabdruck dieser Geräte ist natürlich berechtigt, doch wer will schon die Welt retten, wenn er sich stattdessen in einer Wohnung aufhalten kann, die klimatisch an das Innere eines gut sortierten Fischkutters erinnert. Der wahre Nutzwert liegt ohnehin im sozialen Distancing: Wenn das Aggregat auf Hochtouren dröhnt, versteht man wenigstens das Gejammer der Nachbarn über die kommende Nebenkostenabrechnung nicht mehr. Letztlich ist das Klimagerät das perfekte Symbol unserer Zivilisation: Wir verbrennen den Planeten ein kleines bisschen schneller, nur um uns in aller Ruhe darüber beschweren zu können, dass es draußen immer heißer wird. Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass deutsche Sparsamkeit dort endet, wo der erste Schweißtropfen die Bügelfalte der Anzughose berührt; wer braucht schon eine stabile Altersvorsorge, wenn er stattdessen beim Schlafen eine Daunenjacke tragen muss.