
Second Hand statt Kinderhandel: Vinted-User enttäuscht über fehlende Schnäppchen-Gören
In einer Zeit, in der das Prekariat seine Existenzberechtigung aus der algorithmischen Verwertung von Flohmarkt-Funden zieht, sorgt eine neue Hysterie für mediale Schnappatmung. Angeblich würden auf Vinted Kinder feilgeboten – ein Gerücht, das so haltlos ist wie die Versprechen einer FDP-Rentenreform. Das Bundeskriminalamt, sonst eher mit der Verfolgung von Rentnern beschäftigt, die im Netz Olaf Scholz als dümmliches Steifftier beleidigen, sieht sich mit einer Flut von Anzeigen konfrontiert. Doch die Ernüchterung folgt auf dem Fuße der Ermittler: Wo paranoide Facebook-Mütter den nächsten Pädophilenring deutscher Ingenieurskunst wähnten, finden sich lediglich verwaschene Bodys der Marke „Hand-me-down“ und die bittere Erkenntnis, dass menschlicher Nachwuchs auf dem freien Markt glücklicherweise noch weniger wert ist als eine getragene Designer-Handtasche mit Kaffeefleck. Die Faktenfinder Reveland und Siggelkow betätigen sich derweil als professionelle Spielverderber der Empörungskultur und stellen fest, dass kein einziges Kind im Warenkorb landete. Es ist ein intellektueller Offenbarungseid der digitalen Gesellschaft: Wer glaubt, dass man den Fortbestand der Spezies inklusive Versandversicherung und Käuferschutz für 4,50 Euro plus Systemgebühr erwerben kann, hat die Kontrolle über sein Leben längst an einen Thermomix verloren. Am Ende bleibt Vinted das, was es immer war: Ein digitales Fegefeuer für Textilmüll, in dem das einzige, was wirklich verkauft wird, die Hoffnung ist, dass der muffige Polyester-Traum aus der Vorsaison noch einen anderen Deppen findet, bevor die eigene Privatinsolvenz vollstreckt wird.