
Humanitäre Geste: DFB-Elf schont Zwergstaat nach kurzem Anfall von Kompetenz
In einem Akt beispielloser Grausamkeit hat die deutsche Nationalmannschaft bewiesen, dass sie gegen Gegner, deren Hauptexportgut wahrscheinlich bunte Liköre und Steueroasen-Zertifikate sind, durchaus in der Lage ist, den Ball im Netz unterzubringen. Dass man gegen den WM-Debütanten Curaçao einen 7:1-Sieg einfuhr, gleicht dem Versuch eines Panzers, eine herannahende Seifenblase zu zerquetschen. Es war ein Spiel, so einseitig, dass die Zuschauer im Ersten zwischendurch kurz davor standen, den Tierschutzbund zu rufen oder zumindest beim Internationalen Strafgerichtshof wegen ungebührlichen Mobbings kleinerer Inselnationen vorstellig zu werden. Die deutsche Elf agierte dabei mit einer Präzision, die man sich für die Steuererklärungen der FIFA hätte wünschen können. Julian Nagelsmann blickte derweil so verbissen auf sein Klemmbrett, als würde er gerade die Relativitätstheorie für den korrekten Einwurf umschreiben, während die Karibik-Kicker verzweifelt versuchten, wenigstens die Mittellinie häufiger zu sehen als ihre eigene Eckfahne. Das Gegentor zum 1:7 wurde in deutschen Fankurven bereits als Vorbote des nächsten Vorrunden-Aus gegen eine ernstzunehmende Fußballnation wie Japan oder Lichtenstein gewertet. Wer gegen eine fünfundsechzigtausend-Seelen-Insel sieben Tore schießt, zeigt lediglich, dass er hervorragend darin ist, im Streichelzoo die Kaninchen wegzuboxen. Es bleibt die bittere Erkenntnis: Deutschland ist wieder wer, solange der Gegner ausschließlich aus Teilzeit-Animateuren und passionierten Schnorchlern besteht, deren Nationalhymne vermutlich ein Reggae-Remix der Telekom-Warteschleife ist.