
Lichtgeschwindigkeit im Kriechgang: Bundestag beschließt bürokratische Überholspur für Schildkröten-Logistik
In einem Anfall von fast schon erotischem Aktionismus hat der Deutsche Bundestag ein Gesetz zur Beschleunigung von Verkehrsprojekten verabschiedet, das die Wartezeit auf eine neue Autobahnbrücke von 'biblisch' auf 'lediglich drei Inkarnationen' verkürzen soll. Verkehrsminister Wissing, dessen Begeisterung für Asphalt nur noch von seiner Abneigung gegen funktionierende Schienen übertroffen wird, verspricht nun Planungsverfahren, die so rasant sind, dass der erste Spatenstich den Einsturz des Bauwerks durch Altersschwäche nur noch knapp überholt. Die neue gesetzliche Wunderwaffe sieht vor, dass Klagefristen eingedampft werden, damit Bürgerinitiativen gegen die Lärmentwicklungen seltener Krötenwanderungen künftig direkt im digitalen Schredder landen, bevor der erste Bagger überhaupt den Zündschlüssel findet. Es ist ein Akt purer Ironie: Ein Parlament, das drei Jahre benötigt, um über die Farbe einer vegetarischen Currywurst in der Kantine zu entscheiden, dekretiert nun das Ende der Gemütlichkeit. Während China vermutlich während der Lektüre dieses Artikels drei neue Millionenstädte samt Magnetschwebebahn aus dem Boden stampft, feiert man in Berlin die Tatsache, dass eine Umweltverträglichkeitsprüfung nun nicht mehr zwangsläufig das Aussterben der prüfenden Beamten abwarten muss. Dieser gesetzgeberische Turbolader ist in Wahrheit der Versuch, einen liegengebliebenen Regionalexpress mit einem handelsüblichen Föhn anzuschieben. Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass deutsche Infrastrukturprojekte erst dann wirklich Fahrt aufnehmen, wenn das Konzept der Zeitreise physikalisch marktreif ist, damit man die Brücken von morgen bereits im Gestern hätte fertigstellen können, bevor die Baugenehmigung im Heute verloren geht.