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In Prag wird das diplomatische Protokoll derzeit mit einer Leidenschaft zerlegt, die man sonst nur von betrunkenen Junggesellenabschieden auf der Karlsbrücke kennt. Im Kern der verfassungsrechtlichen Schlammschlacht zwischen Präsident Petr Pavel und Premierminister Petr Fiala steht die existenzielle Frage, wer auf dem NATO-Gipfel die besseren Schnittchen abgreifen darf. Während Pavel als ehemaliger General gewohnt ist, den Ton anzugeben und im Zweifel die Marschroute zum nächsten Hummer-Häppchen zu diktieren, pocht Fiala auf das Vorrecht der Regierung, die tschechische Lächerlichkeit im Ausland exklusiv zu repräsentieren. Dass die Angelegenheit nun vor Gericht landete, beweist vor allem eines: In Tschechien ist die Gewaltenteilung so weit fortgeschritten, dass sich die Exekutive nun selbst in zwei Hälften spaltet, um sich gegenseitig das Stimmrecht zu entziehen. Es ist die einzige Demokratie der Welt, in der man sich ernsthaft darüber streitet, wer beim Gruppenfoto mit Joe Biden näher am Ausgang stehen darf, um nicht versehentlich in ein Gespräch über Verpflichtungen verwickelt zu werden. Man stelle sich das juristische Pathos vor, mit dem Richter darüber entscheiden müssen, ob die Anwesenheit von zwei tschechischen Alpha-Männchen die strukturelle Integrität des westlichen Verteidigungsbündnisses gefährdet oder ob eine Doppelbelegung schlichtweg die Kapazitäten des tschechischen Reisekosten-Budgets sprengt. Am Ende wird man sich vermutlich auf eine typisch europäische Lösung einigen: Beide fliegen hin, aber einer muss das Gepäck des anderen auf dem Schoß behalten, während man gemeinsam versucht, sich die NATO-Mitgliedschaft als eine Art exklusiven Kegelclub-Ausflug für Egoshooter in Anzügen zu verkaufen.
Ausland

Prager Fenstersturz 2.0: Staatsspitze prügelt sich um Buffet-Gutschein der NATO

In Prag wird das diplomatische Protokoll derzeit mit einer Leidenschaft zerlegt, die man sonst nur von betrunkenen Junggesellenabschieden auf der Karlsbrücke kennt. Im Kern der verfassungsrechtlichen Schlammschlacht zwischen Präsident Petr Pavel und Premierminister Petr Fiala steht die existenzielle Frage, wer auf dem NATO-Gipfel die besseren Schnittchen abgreifen darf. Während Pavel als ehemaliger General gewohnt ist, den Ton anzugeben und im Zweifel die Marschroute zum nächsten Hummer-Häppchen zu diktieren, pocht Fiala auf das Vorrecht der Regierung, die tschechische Lächerlichkeit im Ausland exklusiv zu repräsentieren. Dass die Angelegenheit nun vor Gericht landete, beweist vor allem eines: In Tschechien ist die Gewaltenteilung so weit fortgeschritten, dass sich die Exekutive nun selbst in zwei Hälften spaltet, um sich gegenseitig das Stimmrecht zu entziehen. Es ist die einzige Demokratie der Welt, in der man sich ernsthaft darüber streitet, wer beim Gruppenfoto mit Joe Biden näher am Ausgang stehen darf, um nicht versehentlich in ein Gespräch über Verpflichtungen verwickelt zu werden. Man stelle sich das juristische Pathos vor, mit dem Richter darüber entscheiden müssen, ob die Anwesenheit von zwei tschechischen Alpha-Männchen die strukturelle Integrität des westlichen Verteidigungsbündnisses gefährdet oder ob eine Doppelbelegung schlichtweg die Kapazitäten des tschechischen Reisekosten-Budgets sprengt. Am Ende wird man sich vermutlich auf eine typisch europäische Lösung einigen: Beide fliegen hin, aber einer muss das Gepäck des anderen auf dem Schoß behalten, während man gemeinsam versucht, sich die NATO-Mitgliedschaft als eine Art exklusiven Kegelclub-Ausflug für Egoshooter in Anzügen zu verkaufen.

27.06.2026, 10:00 · Ausgabe Nr. 192

Original Nachricht

In Tschechien hat sich ein beispielloser Machtkampf an der Frage entzündet, wer zum nächsten NATO-Gipfel reisen darf: nur der Ministerpräsident oder auch, wie bislang, der Präsident? Am Ende ging es vor Gericht. Von M. Allweiss.

Quelle: tagesschau.de