
Zweitakt-Demenz in Rom: Acht Jahrzehnte Lärmbelästigung als europäisches Kulturerbe gefeiert
Wenn sich tausende erwachsene Männer in teuren Lederjacken in Rom versammeln, um ein motorisiertes Stück Resterampe aus dem Flugzeugbau zu huldigen, dann ist wieder Vespa-Jubiläum. Seit 80 Jahren beweist Piaggio, dass man ein Fortbewegungsmittel um eine Fehlkonstruktion herum bauen kann und die Welt es 'Lifestyle' nennt. Die Vespa ist das einzige Fahrzeug, das gleichzeitig nach Espresso-Bar und einer undichten Chemiefabrik riecht und dessen Aerodynamik die Anmut eines fallenden Kühlschranks besitzt. Während die Fans den Mythos der Freiheit zelebrieren, kämpft Piaggio mit der wirtschaftlichen Realität: Anscheinend reicht es im 21. Jahrhundert nicht mehr aus, lediglich das übersteigerte Geltungsbedürfnis von Architekten in der Midlife-Crisis zu bedienen, die sich für die Fahrt zum Bio-Markt wie Gregory Peck in 'Ein Herz und eine Krone' fühlen wollen. Die Bilanzen stinken mittlerweile gewaltiger als das Gemisch eines 50er-Jahre-Oldtimers, da selbst die Generation Z begriffen hat, dass ein E-Roller aus Fernost zwar keine Seele hat, aber dafür wenigstens keine Ölflecken auf dem Carrara-Marmor hinterlässt. Piaggio versucht nun verzweifelt, den Hype mit limitierten Editionen zu retten, die so teuer sind, dass man für den Preis auch ein echtes Auto oder eine kleine Eigentumswohnung in den Abruzzen bekäme. Am Ende bleibt die Erkenntnis: Die Vespa ist wie das moderne Italien – optisch ein Genuss, historisch bedeutsam, aber technisch seit den 50ern im Leerlauf und finanziell kurz vor dem Kolbenfresser.