
Rechter als die Polizei erlaubt: Meloni wird von General strammrechts überholt
In Italien vollzieht sich derzeit ein physikalisches Wunder, das selbst Einstein das Monokel in den Chianti hätte fallen lassen: Giorgia Meloni, die einstige Schreckgestalt des liberalen Bürgertums, wirkt plötzlich wie eine gemäßigte Waldorf-Pädagogin mit Hang zu Pastellfarben. Grund für diese optische Täuschung ist Roberto Vannacci, ein General, dessen Weltbild so tief in der Vergangenheit verwurzelt ist, dass er vermutlich sogar das Feuer für eine gefährliche linksliberale Neuerung hält. Während Meloni noch mühsam versucht, auf dem europäischen Parkett die seriöse Staatsfrau zu mimen, ohne dabei über ihre eigenen postfaschistischen Schnürsenkel zu stolpern, galoppiert Vannacci auf einem Schimmel der Intoleranz an ihr vorbei. Seine rhetorischen Ausflüge sind so reaktionär, dass man daneben selbst in einer Ritterrüstung noch als modernistischer Hipster gilt. Die politische Landschaft Italiens gleicht mittlerweile einem bizarren Wettrüsten, bei dem derjenige gewinnt, der am überzeugendsten behaupten kann, dass die Aufklärung lediglich ein bedauerliches Missverständnis französischer Kaffeetrinker war. Melonis Strategie, sich durch Regierungsverantwortung zu normalisieren, rächt sich nun bitterlich: Wer den Geist der extremen Rechten aus der Flasche lässt, darf sich nicht wundern, wenn dieser Geist plötzlich findet, dass die Flasche eigentlich viel zu weit links stand. In Rom munkelt man bereits, Meloni erwäge die Einführung der Dreadlock-Pflicht für Carabinieri, nur um im Vergleich zu Vannacci wenigstens einmal kurzzeitig als progressive Reformerin wahrgenommen zu werden. Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass Rechtsaußen in Italien kein fester Punkt ist, sondern eine Fluchtgeschwindigkeit, bei der selbst die härtesten Ideologen irgendwann Gefahr laufen, vor lauter Rückwärtsgewandtheit in ihrer eigenen Geburt stecken zu bleiben.