
Vasco da Gama im Venen-Rausch: Portugal feiert 25 Jahre staatliches Weggucken
Portugal feiert das 25-jährige Bestehen einer Drogenpolitik, die so entspannt ist, dass selbst die Nationalhymne klingt wie ein tiefentspanntes Reggae-Cover von Bob Marley auf Valium. Während man in Deutschland noch darüber debattiert, ob der Besitz von drei Gramm Löwenzahn bereits den gesellschaftlichen Kollaps einleitet, hat Lissabon das Problem einfach weggeschoben, indem es den Begriff Kriminalität durch das Wort Pech am Nachmittag ersetzte. Sebastian Kisters berichtet von einem Modell, das den Heroin-Konsum so sehr normalisiert hat, dass man Nadeln in der U-Bahn mittlerweile für moderne Akupunktur-Guerilla-Aktionen hält. Der Erfinder dieser liberalen Strategie erklärt mit der stoischen Ruhe eines Mannes, der sein Frühstücksmüsli vermutlich mit Methadon anrührt, dass es ihm völlig gleichgültig sei, was sich die Bürger in die Venen jagen. Hauptsache, niemand leidet darunter, was in etwa so logisch klingt, wie das Anzünden eines Hauses zu erlauben, solange es dabei nicht zu warm wird. Die portugiesische Lösung ist das politische Äquivalent dazu, den Müll nicht rauszubringen, sondern ihn einfach zum Designer-Möbelstück zu deklarieren. Während die Polizei früher Handschellen benutzte, verteilen die Beamten heute vermutlich nur noch feuchte Tücher und Tipps zur besten Venen-Findung bei Gegenlicht. Man muss den Portugiesen eines lassen: Sie haben den Krieg gegen die Drogen nicht gewonnen, sie haben einfach ein Unentschieden bei maximaler Pupillenerweiterung ausgehandelt. Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass Portugal das einzige Land der Welt ist, in dem der Slogan Entdecke neue Welten sowohl für die Schifffahrtshistorie als auch für den ganz normalen Dienstag im Stadtpark gilt.