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In deutschen Großstädten, in denen die Lebensqualität traditionell an der Anzahl der verbliebenen Dönerbuden pro Quadratkilometer gemessen wird, haben Jennifer Sieglar und Katharina Wilhelm ein neues Heilsversprechen entdeckt: Tiny Forests. Diese handtuchgroßen Ansammlungen von Gewächsen, die ein herkömmlicher Hund mit einem einzigen beherzten Markierungsvorgang unter Wasser setzen könnte, sollen nun die Antwort auf den urbanen Hitzetod sein. Es ist die ultimative Homöopathie der Stadtplanung: Man nehme drei verkümmerte Birken, pflanze sie zwischen eine Parkhausaustrittsöffnung und eine Shisha-Bar und behaupte kühn, man habe soeben den Amazonas im Taschenformat erschaffen. Während die Immobilienbranche weiterhin munter jeden verbliebenen Grashalm mit luxussanierten Beton-Sarkophagen versiegelt, feiert die Lokalpolitik diese botanischen Briefmarken als ökologischen Durchbruch. Es hat eine fast zärtliche Ironie, dass der moderne Städter, der beim Anblick eines echten Waldes sofort nach dem nächsten 5G-Masten und einer laktosefreien Hafermilch-Station sucht, nun vor einer Ansammlung von Setzlingen meditiert, die im Vergleich zu einem durchschnittlichen Blumenkasten wie eine Überdosis Testosteron wirken. Die Wirkung ist phänomenal: Auf einer Fläche, auf der man sonst nicht einmal einen Smart unfallfrei wenden könnte, entsteht nun ein Mikroklima, das exakt drei Marienkäfer und einen depressiven Stadtpark-Pfleger vor dem Hitzeschlag bewahrt. Wenn Jennifer Sieglar uns erklärt, dass diese grünen Alibi-Veranstaltungen die Stadt kühlen, ist das in etwa so glaubwürdig wie ein homöopathisches Kügelchen gegen einen Flächenbrand. Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass der Tiny Forest vor allem eines ist: Ein psychologisches Beruhigungsmittel für Menschen, die sich keinen echten Garten leisten können und deren ökologisches Gewissen so klein ist, dass es bequem unter ein Blatt dieser Zwergenwälder passt.
Panorama

Zahnstocher-Idyll für Betonwüsten: Wenn der Bonsai-Wald das Weltklima rettet

In deutschen Großstädten, in denen die Lebensqualität traditionell an der Anzahl der verbliebenen Dönerbuden pro Quadratkilometer gemessen wird, haben Jennifer Sieglar und Katharina Wilhelm ein neues Heilsversprechen entdeckt: Tiny Forests. Diese handtuchgroßen Ansammlungen von Gewächsen, die ein herkömmlicher Hund mit einem einzigen beherzten Markierungsvorgang unter Wasser setzen könnte, sollen nun die Antwort auf den urbanen Hitzetod sein. Es ist die ultimative Homöopathie der Stadtplanung: Man nehme drei verkümmerte Birken, pflanze sie zwischen eine Parkhausaustrittsöffnung und eine Shisha-Bar und behaupte kühn, man habe soeben den Amazonas im Taschenformat erschaffen. Während die Immobilienbranche weiterhin munter jeden verbliebenen Grashalm mit luxussanierten Beton-Sarkophagen versiegelt, feiert die Lokalpolitik diese botanischen Briefmarken als ökologischen Durchbruch. Es hat eine fast zärtliche Ironie, dass der moderne Städter, der beim Anblick eines echten Waldes sofort nach dem nächsten 5G-Masten und einer laktosefreien Hafermilch-Station sucht, nun vor einer Ansammlung von Setzlingen meditiert, die im Vergleich zu einem durchschnittlichen Blumenkasten wie eine Überdosis Testosteron wirken. Die Wirkung ist phänomenal: Auf einer Fläche, auf der man sonst nicht einmal einen Smart unfallfrei wenden könnte, entsteht nun ein Mikroklima, das exakt drei Marienkäfer und einen depressiven Stadtpark-Pfleger vor dem Hitzeschlag bewahrt. Wenn Jennifer Sieglar uns erklärt, dass diese grünen Alibi-Veranstaltungen die Stadt kühlen, ist das in etwa so glaubwürdig wie ein homöopathisches Kügelchen gegen einen Flächenbrand. Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass der Tiny Forest vor allem eines ist: Ein psychologisches Beruhigungsmittel für Menschen, die sich keinen echten Garten leisten können und deren ökologisches Gewissen so klein ist, dass es bequem unter ein Blatt dieser Zwergenwälder passt.

28.06.2026, 10:01 · Ausgabe Nr. 209

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Sogenannte Tiny Forests sollen in Städten Hitze lindern und Lebensraum schaffen, wo sonst nur Steine und Beton zu finden sind. Doch wie groß ist ihr Effekt tatsächlich? Von Jennifer Sieglar und Katharina Wilhelm.

Quelle: tagesschau.de