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In einer beispiellosen Demonstration staatlicher Existenzberechtigung hat die BaFin die Geschäftsführung der Privatbank Berenberg kurzerhand in den Vorruhestand geschickt, bevor diese das restliche Vermögen ihrer Klienten in avantgardistische Luftschlösser investieren konnte. Es ist ein historisches Ereignis: Erstmals wurde in Deutschland ein Vorstand nicht wegen mangelnder Rendite, sondern wegen einer organisatorischen Struktur geschasst, die selbst einem kolumbianischen Kaffeekartell zu informell gewesen wäre. Man muss sich das vorstellen: Da sitzen hanseatische Herren in maßgeschneiderten Anzügen, deren Stammbäume länger sind als die Warteliste für einen Kitaplatz in Eppendorf, und führen ein Bankhaus mit der administrativen Präzision einer studentischen Wohngemeinschaft nach der dritten Flasche Rotwein. Die BaFin wirft den Berenberg-Bossen vor, das Institut so geführt zu haben, als sei Risikomanagement lediglich ein lästiges Modewort aus einem BWL-Proseminar für Geringverdiener. Dass nun ausgerechnet die Aufsichtsbehörde, die beim Wirecard-Skandal so tief schlief, dass man sie fast wegen unterlassener Hilfeleistung am Kapitalmarkt hätte verklagen müssen, plötzlich den strengen Zuchtmeister spielt, entbehrt nicht einer gewissen Komik. Es wirkt, als würde ein blinder Schiedsrichter beim Hallenhalma die Einhaltung der Abseitsregel überwachen. In Hamburg ist die Erschütterung dennoch groß: Die Sorge wächst, dass man demnächst sogar eine Erlaubnis braucht, um Steuern nur noch als unverbindliche Gestaltungsempfehlung zu betrachten. Am Ende bleibt die bittere Erkenntnis für die Eliten, dass selbst der edelste Zwirn nicht davor schützt, von Beamten im C&A-Sakko wie ein gewöhnlicher Taschendieb vor die Tür gesetzt zu werden.
Wirtschaft

Berenberg entmachtet: BaFin beendet exklusive Tradition des straffreien Geldverbrennens

In einer beispiellosen Demonstration staatlicher Existenzberechtigung hat die BaFin die Geschäftsführung der Privatbank Berenberg kurzerhand in den Vorruhestand geschickt, bevor diese das restliche Vermögen ihrer Klienten in avantgardistische Luftschlösser investieren konnte. Es ist ein historisches Ereignis: Erstmals wurde in Deutschland ein Vorstand nicht wegen mangelnder Rendite, sondern wegen einer organisatorischen Struktur geschasst, die selbst einem kolumbianischen Kaffeekartell zu informell gewesen wäre. Man muss sich das vorstellen: Da sitzen hanseatische Herren in maßgeschneiderten Anzügen, deren Stammbäume länger sind als die Warteliste für einen Kitaplatz in Eppendorf, und führen ein Bankhaus mit der administrativen Präzision einer studentischen Wohngemeinschaft nach der dritten Flasche Rotwein. Die BaFin wirft den Berenberg-Bossen vor, das Institut so geführt zu haben, als sei Risikomanagement lediglich ein lästiges Modewort aus einem BWL-Proseminar für Geringverdiener. Dass nun ausgerechnet die Aufsichtsbehörde, die beim Wirecard-Skandal so tief schlief, dass man sie fast wegen unterlassener Hilfeleistung am Kapitalmarkt hätte verklagen müssen, plötzlich den strengen Zuchtmeister spielt, entbehrt nicht einer gewissen Komik. Es wirkt, als würde ein blinder Schiedsrichter beim Hallenhalma die Einhaltung der Abseitsregel überwachen. In Hamburg ist die Erschütterung dennoch groß: Die Sorge wächst, dass man demnächst sogar eine Erlaubnis braucht, um Steuern nur noch als unverbindliche Gestaltungsempfehlung zu betrachten. Am Ende bleibt die bittere Erkenntnis für die Eliten, dass selbst der edelste Zwirn nicht davor schützt, von Beamten im C&A-Sakko wie ein gewöhnlicher Taschendieb vor die Tür gesetzt zu werden.

29.06.2026, 07:00 · Ausgabe Nr. 218

Original Nachricht

Die Finanzaufsicht BaFin hat die gesamte Geschäftsführung der Privatbank Berenberg entmachtet - ein fast einzigartiger Vorgang. Was über den Fall bekannt ist. Von Sebastian Schreiber.

Quelle: tagesschau.de