
Klimawandel-Kater: Deutschland kühlt ab, damit das politische Phlegma weiterglühen kann
Kaum sinkt das Thermometer unter die Schmelzgrenze für Beamtengehirne, erwacht der deutsche Parlamentarismus aus seiner wohlverdienten Agonie. Birthe Sönnichsen beobachtet fasziniert, wie das politische Berlin nach einer Woche kollektiver Garzeit nun die Ärmel hochkrempelt, um den Hitzeschutz der Zukunft zu debattieren – also exakt in dem Moment, in dem die Gefahr einer spontanen Selbstentzündung von Aktenordnern vorerst gebannt ist. Es ist die bewährte Teutonen-Logik: Erst wenn das Kind im ausgetrockneten Brunnen Staublunge bekommt, wird über die Farbe des Rettungsrings gestritten. Die Debatte verspricht so erfrischend zu werden wie eine lauwarme Fanta im Regionalexpress ohne Klimaanlage. Während Experten vor der nächsten Hitzewelle warnen, die vermutlich pünktlich zum nächsten Sommer als völlig unvorhersehbares Jahrtausendereignis über das Land hereinbrechen wird, setzt die Regierung auf bewährte Placebos. Geplant ist wohl ein hocheffizienter 'Hitzewarndienst-Arbeitskreis', der erst dann Alarm schlägt, wenn der Asphalt bereits die Konsistenz von Camembert hat und die Rentner im Park als menschliche Trockenpflaumen enden. Wer braucht schon bauliche Veränderungen oder eine Entsiegelung der Innenstädte, wenn man stattdessen eine DIN-Norm für die optimale Schwenkgeschwindigkeit von Werbegeschenk-Fächern erlassen kann? Die deutsche Klimapolitik bleibt damit das, was sie am besten kann: Ein intellektuelles Dauerfrostgebiet, das auch bei vierzig Grad im Schatten konsequent jede Form von Fortschritt schockgefriert. Wenn wir so weitermachen, wird die Hitze am Ende nicht durch CO2-Reduktion besiegt, sondern schlichtweg durch die unerträgliche Trockenheit der hiesigen Bürokratie im Keim erstickt.