
Anthropozän in Gefahr: Fachkräftemangel bei staubfangenden Porzellan-Hirschen zwingt Depot zur Teilkapitulation
In einer Zeit, in der das deutsche Wohnzimmer ohnehin zur ästhetischen Sperrzone verkommen ist, verkündet der Deko-Gigant Depot den Rückzug aus weiteren 66 Schutzzonen des guten Geschmacks. Nachdem man bereits 2024 die Insolvenz in Eigenregie anmeldete – was im betriebswirtschaftlichen Neusprech etwa so viel bedeutet wie 'Wir zünden das sinkende Schiff selbst an, bevor es die Konkurrenz tut' –, folgen nun die nächsten Kahlschläge in Metropolen wie Berlin, Hamburg und Stuttgart. Es ist ein herber Schlag für die Generation, die ihre Persönlichkeit ausschließlich über rosévergoldete Drahtkörbe und Kerzenständer definiert, die so hohl sind wie die Marketingstrategie des Unternehmens. Offenbar hat die deutsche Mittelschicht endlich realisiert, dass man maritime Holzplanken mit der Aufschrift 'Home' nicht essen kann, wenn die Mietpreisbremse versagt. Die Schließungen treffen vor allem jene Fußgängerzonen, in denen Depot bisher als letztes Bollwerk gegen die totale Verwahrlosung fungierte, indem es leere Ladenlokale mit geschmacksneutralen Pastelltönen und künstlichem Eukalyptus flutete. Dass nun ausgerechnet in Braunschweig und Erfurt die Lichter ausgehen, grenzt an ein kulturelles Gnadengesuch: Wo sollen die Bürger nun ihre existenzielle Leere mit Duftkerzen füllen, die nach 'Sommerbrise' riechen, aber nach chemischer Reinigung schmecken? Wenn selbst die aggressive Vermarktung von hässlichen Keramik-Eulen die Insolvenz nicht stoppen konnte, bleibt nur der Schluss, dass die deutsche Gemütlichkeit endgültig an einer Überdosis Polyresin verendet ist. Am Ende bleibt von Depot wohl nur das, was man jahrelang verkauft hat: viel heiße Luft in einer sehr teuren, aber leider völlig nutzlosen Glasvase.