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In Südafrika herrscht endlich wieder Ordnungssinn, zumindest bei jenen Gruppierungen, die Fremdenhass für eine anerkannte olympische Disziplin halten. Mit der Präzision einer Schweizer Uhr, die man versehentlich in den Sandkasten geworfen hat, stellen Anti-Migrations-Gruppen ultimative Fristen für illegale Zuwanderer. Die Logik dahinter ist bestechend: Wenn erst einmal alle Migranten weg sind, können sich die Einheimischen wieder voll und ganz auf das konzentrieren, was das Land seit Jahren perfektioniert – den gepflegten wirtschaftlichen Stillstand. Es ist die ultimative patriotische Selbstaufgabe: Man droht damit, das Land lahmzulegen, falls die Regierung nicht dabei hilft, die letzten Menschen zu vertreiben, die im Zweifelsfall noch wissen, wie man ein funktionierendes Kleingewerbe führt. Das südafrikanische Ultimatum wirkt dabei wie die verzweifelte Forderung eines Passagiers auf der Titanic, der verlangt, dass die Musiker gefälligst das Schiff verlassen sollen, damit man in Ruhe absaufen kann. Die Drohung, das öffentliche Leben zum Erliegen zu bringen, ist in einem Land, in dem staatliche Stromversorger den 'Load Shedding' zum kulturellen Erbe stilisiert haben, ohnehin so furchteinflößend wie die Ankündigung der Deutschen Bahn, heute einmal besonders unpünktlich zu sein. Während die Welt gebannt zusieht, wie Nationalstolz mal wieder als Vorwand für logistische Amputationen herhalten muss, bleibt die Erkenntnis: Wer den Mangel an Perspektive durch den Export von Sündenböcken lösen will, stellt am Ende fest, dass man Hass allein leider nicht essen kann, selbst wenn er mit einer Prise Patriotismus serviert wird. Einziger Trost: Wenn das Land erst stillsteht, kann wenigstens niemand mehr behaupten, dass ihm jemand den Parkplatz wegnimmt.
Ausland

Apartheid 2.0: Südafrikanische Nationalisten fordern exklusives Recht auf Arbeitslosigkeit zurück

In Südafrika herrscht endlich wieder Ordnungssinn, zumindest bei jenen Gruppierungen, die Fremdenhass für eine anerkannte olympische Disziplin halten. Mit der Präzision einer Schweizer Uhr, die man versehentlich in den Sandkasten geworfen hat, stellen Anti-Migrations-Gruppen ultimative Fristen für illegale Zuwanderer. Die Logik dahinter ist bestechend: Wenn erst einmal alle Migranten weg sind, können sich die Einheimischen wieder voll und ganz auf das konzentrieren, was das Land seit Jahren perfektioniert – den gepflegten wirtschaftlichen Stillstand. Es ist die ultimative patriotische Selbstaufgabe: Man droht damit, das Land lahmzulegen, falls die Regierung nicht dabei hilft, die letzten Menschen zu vertreiben, die im Zweifelsfall noch wissen, wie man ein funktionierendes Kleingewerbe führt. Das südafrikanische Ultimatum wirkt dabei wie die verzweifelte Forderung eines Passagiers auf der Titanic, der verlangt, dass die Musiker gefälligst das Schiff verlassen sollen, damit man in Ruhe absaufen kann. Die Drohung, das öffentliche Leben zum Erliegen zu bringen, ist in einem Land, in dem staatliche Stromversorger den 'Load Shedding' zum kulturellen Erbe stilisiert haben, ohnehin so furchteinflößend wie die Ankündigung der Deutschen Bahn, heute einmal besonders unpünktlich zu sein. Während die Welt gebannt zusieht, wie Nationalstolz mal wieder als Vorwand für logistische Amputationen herhalten muss, bleibt die Erkenntnis: Wer den Mangel an Perspektive durch den Export von Sündenböcken lösen will, stellt am Ende fest, dass man Hass allein leider nicht essen kann, selbst wenn er mit einer Prise Patriotismus serviert wird. Einziger Trost: Wenn das Land erst stillsteht, kann wenigstens niemand mehr behaupten, dass ihm jemand den Parkplatz wegnimmt.

30.06.2026, 07:00 · Ausgabe Nr. 234

Original Nachricht

Anti-Migrations-Gruppen haben illegalen Zuwanderern eine Frist gesetzt: Spätestens heute sollen sie Südafrika verlassen. Zugleich wollen sie das Land in den Stillstand versetzen. Kommt es erneut zu Gewalt? Von S. Ueberbach.

Quelle: tagesschau.de