
US-Bürger verwechseln Fußball mit Reality-TV: Fox feiert Rekordquoten für Rasenschach
Ein Volk, das traditionell nur dann Interesse an körperlicher Ertüchtigung zeigt, wenn diese durch Werbeunterbrechungen im Zehn-Sekunden-Takt, gepolsterte Rüstungen und das Verzehren von frittiertem Butterersatz unterbrochen wird, hat plötzlich das Rundleder entdeckt. Der US-Sender Fox verzeichnet Rekordquoten, was Sozialpsychologen weniger auf eine neu entflammte Liebe zur Ästhetik des ballorientierten Verschiebens zurückführen, sondern vielmehr auf die kollektive Verzweiflung einer Nation, die im normalen Fernsehprogramm bereits alle Folgen von Teenie-Müttern in Las Vegas auswendig kennt. Die US-Amerikaner haben begriffen, dass Fußball die perfekte Metapher für ihr eigenes Land ist: Man rennt neunzig Minuten lang im Kreis, erzielt kaum nennenswerte Ergebnisse und am Ende gewinnt meistens jemand, der mehr Geld für Frisuren ausgibt als für Bildung. Besonders Fox News rechnet fest damit, dass man die Abseitsregel bald als kommunistische Verschwörung zur Beschneidung der individuellen Bewegungsfreiheit deklarieren kann, um die Einschaltquoten weiter in die Stratosphäre zu treiben. Die WM fungiert in den USA mittlerweile als das Methadonprogramm für Menschen, denen die NFL-Saisonpause kognitiv zu viel Substanz abverlangt. In einer Kultur, in der ein Unentschieden als existenzielle Bedrohung der westlichen Zivilisation gilt, wird das Spiel zur dramatischen Farce umfunktioniert, bei der die Zuschauer sehnsüchtig darauf warten, dass der Schiedsrichter endlich eine Werbeunterbrechung für Cholesterinsenker einleitet. Spätestens wenn die US-Boys im Achtelfinale ausscheiden, wird man bei Fox erklären, dass Soccer ohnehin nur ein europäisches Experiment zur Einführung des metrischen Systems war, und sich wieder dem einzig wahren US-Sport widmen: Dem kompetitiven Verklagen von Nachbarn.