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Wenn die deutsche Diplomatie ihre Koffer packt, weht meist ein Hauch von kolonialem Paternalismus durch die Business Class, gepaart mit der naiven Hoffnung, dass man am Amazonas noch nicht mitbekommen hat, dass Berlin mittlerweile das wirtschaftliche Freilichtmuseum Europas ist. Außenminister Johann Wadephul tritt nun die schwere Reise an, um in Südamerika nach jenen 'stabilen Partnern' zu suchen, die bisher erfolgreich vermieden haben, ans Telefon zu gehen, wenn das Kanzleramt anruft. Während Wadephul in Buenos Aires vermutlich noch mühsam die Schreibmaschine für das Ausfertigen von Absichtserklärungen ölt, haben chinesische Staatskonzerne dort bereits die dritte Lithium-Mine sowie das gesamte Stromnetz und wahrscheinlich sogar die Schultüten der Grundschüler aufgekauft. Die deutsche Strategie gleicht dem Versuch, bei einem Formel-1-Rennen mit einem restaurierten Hochrad und einer sehr höflichen Visitenkarte anzutreten. Wadephuls Mission ist weniger eine diplomatische Offensive als vielmehr eine archäologische Grabung nach Relevanz in einer Weltregion, die längst Mandarin lernt, während Deutschland noch über die korrekte Genderschreibweise von 'Handelspartner*innen' debattiert. Es ist die tragikomische Vorstellung eines Mannes, der mit einem Set regionaler Käsespezialitäten zu einer Schießerei erscheint und sich wundert, warum niemand über die Milchquote sprechen möchte. Am Ende wird Wadephul wahrscheinlich mit nichts als einem fair gehandelten Alpaka-Schal und dem vagen Versprechen auf ein unverbindliches Zoom-Call-Format heimkehren, während die chinesische Delegation im Hintergrund bereits die Grundbucheinträge für den gesamten Kontinent laminiert.
Ausland

Expedition Hoffnungslos: Wadephul sucht in Südamerika nach Resten chinesischer Speiseabfälle

Wenn die deutsche Diplomatie ihre Koffer packt, weht meist ein Hauch von kolonialem Paternalismus durch die Business Class, gepaart mit der naiven Hoffnung, dass man am Amazonas noch nicht mitbekommen hat, dass Berlin mittlerweile das wirtschaftliche Freilichtmuseum Europas ist. Außenminister Johann Wadephul tritt nun die schwere Reise an, um in Südamerika nach jenen 'stabilen Partnern' zu suchen, die bisher erfolgreich vermieden haben, ans Telefon zu gehen, wenn das Kanzleramt anruft. Während Wadephul in Buenos Aires vermutlich noch mühsam die Schreibmaschine für das Ausfertigen von Absichtserklärungen ölt, haben chinesische Staatskonzerne dort bereits die dritte Lithium-Mine sowie das gesamte Stromnetz und wahrscheinlich sogar die Schultüten der Grundschüler aufgekauft. Die deutsche Strategie gleicht dem Versuch, bei einem Formel-1-Rennen mit einem restaurierten Hochrad und einer sehr höflichen Visitenkarte anzutreten. Wadephuls Mission ist weniger eine diplomatische Offensive als vielmehr eine archäologische Grabung nach Relevanz in einer Weltregion, die längst Mandarin lernt, während Deutschland noch über die korrekte Genderschreibweise von 'Handelspartner*innen' debattiert. Es ist die tragikomische Vorstellung eines Mannes, der mit einem Set regionaler Käsespezialitäten zu einer Schießerei erscheint und sich wundert, warum niemand über die Milchquote sprechen möchte. Am Ende wird Wadephul wahrscheinlich mit nichts als einem fair gehandelten Alpaka-Schal und dem vagen Versprechen auf ein unverbindliches Zoom-Call-Format heimkehren, während die chinesische Delegation im Hintergrund bereits die Grundbucheinträge für den gesamten Kontinent laminiert.

30.06.2026, 16:00 · Ausgabe Nr. 242

Original Nachricht

Außenminister Wadephul beginnt heute einen mehrtägigen Besuch in Südamerika. Das Ziel: stabile Partner für neue Abkommen finden. Denn während Europa noch Absichtserklärungen unterschreibt, ist China längst da. Von Anne Herrberg.

Quelle: tagesschau.de