
Sensationelle Armutsverlangsamung: Deutsche dürfen jetzt zwei Sekunden länger auf Preisschilder starren
Das Statistische Bundesamt hat die frohe Botschaft verkündet: Die Inflation sinkt auf 2,3 Prozent, was in der Realität der bundesdeutschen Sparkassenmoderne etwa so viel Erleichterung verschafft wie ein feuchtes Pflaster auf einer Enthauptung. Während die Teuerungsrate im Mai noch mit 2,6 Prozent galoppierte, trabt sie nun in einem Tempo dahin, das es dem durchschnittlichen Geringverdiener ermöglicht, den Ruin zumindest in Ultra-High-Definition zu betrachten. Es ist ein Triumph der mathematischen Kosmetik: Wenn das Leben unbezahlbar bleibt, dies aber nur noch geringfügig schneller wird, nennt die Bundesregierung das Stabilität. Man feiert im Wirtschaftsministerium vermutlich bereits den Umstand, dass die Kugel Eis nicht mehr wöchentlich um einen Euro teurer wird, sondern nur noch im Rhythmus des Bundesfinanzhof-Präsidenten beim Golfabschlag. Diese fast schon erotische Entschleunigung des Kaufkraftverlustes führt dazu, dass die Deutschen nun stolze drei Cent weniger für den Döner bezahlen müssen, sofern sie bereit sind, die nächsten vierhundert Jahre darauf zu sparen. Die Statistikbehörde beweist hierbei einen Humor, der so trocken ist wie das Industriebrot, das man sich dank der Entspannung nun wieder leisten kann, ohne direkt eine Niere pfänden zu müssen. Die psychologische Wirkung ist immens: Wer vorher am Abgrund stand, darf nun einen halben Schritt zurücktreten, nur um festzustellen, dass hinter ihm bereits der Gerichtsvollzieher mit einer Konfettikanone wartet. Herzlichen Glückwunsch, Deutschland: Wir verarmen jetzt so langsam, dass man es fast für Wohlstand halten könnte, wenn man seit 1994 im Wachkoma lag.