
Schienen-Monopol in Trümmern: Endlich Platz für pünktlicheres Versagen der Konkurrenz
Die Bundesnetzagentur hat ein Einsehen mit dem leidgeprüften Beförderungsfall und fordert die Deutsche Bahn ultimativ auf, ihre heiligen Schienenwege für den Wettbewerb freizugeben. Es ist eine rührende Vision: Während die Bahn bisher den Markt für großflächige Verspätungen und defekte Bordbistros im Alleingang dominierte, dürfen nun endlich auch private Billiganbieter beweisen, dass man Fahrgäste für die Hälfte des Preises doppelt so lange im Niemandsland zwischen Bebra und Fulda stehen lassen kann. Die Logik der Behörde ist bestechend: Wenn schon der gesamte Schienenkörper einer maroden Infrastruktur-Ruine gleicht, soll wenigstens der freie Markt darüber entscheiden, wer die letzte funktionierende Toilette des Landes in den Ruin treibt. Die Bahn warnt derweil gewohnt larmoyant vor den Folgen, als würde die Zerstörung des deutschen Schienennetzes durch Wettbewerb schneller voranschreiten als durch die konsequente Ignoranz des eigenen Managements. Der Kunde darf sich auf eine neue Ära der Mobilität freuen, in der das Ticket zwar nur noch drei Euro kostet, man dafür aber die Strecke Hamburg-München in einem ausrangierten Viehwaggon absolviert, während der Lokführer via Crowdfunding um Strom für die nächste Steigung bittet. Am Ende ist dieser Vorstoß der Bundesnetzagentur ohnehin nur der verzweifelte Versuch, das Staatsunternehmen DB daran zu erinnern, dass man Schienen eigentlich zum Fahren und nicht zum meditativen Warten auf die nächste Weichenstörung erfunden hat. Ein echter Wettbewerb ist hierbei ohnehin ausgeschlossen: Niemand kann so effizient am eigenen Versagen scheitern wie das Original aus dem Tower am Potsdamer Platz.