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In Köln hat man endlich begriffen, dass man Geschichte nicht verschenken darf, wenn man gleichzeitig eine marode Infrastruktur und eine chronische Vorliebe für Prunk zu verwalten hat. Dass die Besichtigung des steinernen Ungetüms nun zwölf Euro kostet, ist lediglich die konsequente Einführung eines Pay-per-View-Modells für archaische Statik. Während Billigflieger Touristen für denselben Preis nach Mallorca karren, bietet die Domstadt nun das ultimative VIP-Erlebnis: Zwölf Euro für die einmalige Gelegenheit, in einer zugigen Halle zu stehen, die seit 600 Jahren nicht fertig wird und in der das einzige moderne Element der Kaugummi unter der Sitzbank ist. Das Preis-Leistungs-Verhältnis besticht durch absolute Askese. Kritiker monieren die Kommerzialisierung, doch wer die Eintrittspreise für eine mäßige Currywurst am Neumarkt kennt, weiß, dass man hier ein Schnäppchen für das kulturelle Gewissen schlägt. Die Kölner Stadtväter planen bereits das nächste Level der Monetarisierung: Für zusätzliche fünf Euro dürfen Besucher vermutlich eine eigene Gerüststange berühren oder gegen Aufpreis den Feinstaub der ewigen Sanierung inhalieren. Es ist die lang ersehnte Antwort auf den Kapitalismus: Wenn man schon keine Steuern zahlt, dann wenigstens Eintritt für die Kulisse der eigenen Bedeutungslosigkeit. Am Ende des Rundgangs wartet zwar keine Erleuchtung, aber die Gewissheit, dass man für zwölf Euro in Köln normalerweise nicht einmal einen Parkplatz findet, auf dem das Auto nachher noch Fenster hat. Wer das Geld nicht aufbringt, kann ja draußen bleiben und die Fassade bewundern – das ist wie Netflix schauen über den Account des Ex-Partners, nur mit mehr Taubenkot.
Wirtschaft

Betreten der Baustelle für Unbefugte gegen Gebühr: Gotik wird endlich Premium-Produkt

In Köln hat man endlich begriffen, dass man Geschichte nicht verschenken darf, wenn man gleichzeitig eine marode Infrastruktur und eine chronische Vorliebe für Prunk zu verwalten hat. Dass die Besichtigung des steinernen Ungetüms nun zwölf Euro kostet, ist lediglich die konsequente Einführung eines Pay-per-View-Modells für archaische Statik. Während Billigflieger Touristen für denselben Preis nach Mallorca karren, bietet die Domstadt nun das ultimative VIP-Erlebnis: Zwölf Euro für die einmalige Gelegenheit, in einer zugigen Halle zu stehen, die seit 600 Jahren nicht fertig wird und in der das einzige moderne Element der Kaugummi unter der Sitzbank ist. Das Preis-Leistungs-Verhältnis besticht durch absolute Askese. Kritiker monieren die Kommerzialisierung, doch wer die Eintrittspreise für eine mäßige Currywurst am Neumarkt kennt, weiß, dass man hier ein Schnäppchen für das kulturelle Gewissen schlägt. Die Kölner Stadtväter planen bereits das nächste Level der Monetarisierung: Für zusätzliche fünf Euro dürfen Besucher vermutlich eine eigene Gerüststange berühren oder gegen Aufpreis den Feinstaub der ewigen Sanierung inhalieren. Es ist die lang ersehnte Antwort auf den Kapitalismus: Wenn man schon keine Steuern zahlt, dann wenigstens Eintritt für die Kulisse der eigenen Bedeutungslosigkeit. Am Ende des Rundgangs wartet zwar keine Erleuchtung, aber die Gewissheit, dass man für zwölf Euro in Köln normalerweise nicht einmal einen Parkplatz findet, auf dem das Auto nachher noch Fenster hat. Wer das Geld nicht aufbringt, kann ja draußen bleiben und die Fassade bewundern – das ist wie Netflix schauen über den Account des Ex-Partners, nur mit mehr Taubenkot.

01.07.2026, 07:00 · Ausgabe Nr. 248

Original Nachricht

Ab heute zahlen Besucher bis zu 12 Euro Eintritt für den Kölner Dom. Erhalt und Sanierung der Kathedrale kosten jedes Jahr Millionen. Die Ticketpreise sollen das jetzt mitfinanzieren.

Quelle: tagesschau.de