
Hungerspiele 2.0: Arbeitsagentur führt Peitsche als Motivationshilfe für Nicole ein
Nicole aus Frankfurt hatte bisher den naiven Glauben, die Grundsicherung diene der Existenzsicherung. Doch die Ampel-Koalition belehrt sie nun eines Besseren: In einer glanzvollen Symbiose aus Preußen-Disziplin und motivationalem Coaching wird das Sozialsystem zum ökonomischen Bootcamp umgebaut. Die Reform verspricht, Menschen schneller in Arbeit zu bringen, wobei 'Arbeit' hier als ein dehnbarer Begriff zwischen Mindestlohn-Knechtschaft und emotionalem Burnout definiert wird. Dass Nicole nun vor existenzieller Unsicherheit zittert, ist kein Kollateralschaden, sondern ein hochmodernes staatliches Feature. Die neuen Sanktionen fungieren als eine Art staatliche Diät-App: Wer nicht spurt, spart Kalorien. Dass man von der Würde des Menschen nicht abbeißen kann, ohne sich die Zähne an der deutschen Bürokratie auszubeißen, weiß man spätestens seit der Erfindung der Bedarfsgemeinschaft. Nicole erfährt nun am eigenen Leib, dass der Staat sie nicht etwa auffängt, sondern sie lediglich wie eine lästige Fliege mit der Fliegenklatsche des Sozialgesetzbuchs in Richtung Zeitarbeitsfirma wedelt. Man könnte fast meinen, das Arbeitsministerium verwechsle die Grundsicherung mit einer Episode von Squid Game, nur dass die Teilnehmer hier keine Masken tragen, sondern lediglich ihre Hoffnung an der Garderobe des Jobcenters abgeben müssen. Das ist gelebte soziale Marktwirtschaft: Der Markt regelt den Hunger, und das Sozialamt verwaltet das Elend mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerks, das leider nur noch eine Schlinge anstelle von Zeigern besitzt.