
Frieden schafft Flauten: KNDS-Börsengang scheitert an mangelnder Lust am Untergang
Eigentlich sah das Geschäftsmodell so stabil aus wie eine Wolfram-Karbid-Legierung: Wenn es irgendwo auf der Welt kracht, klingelt in der deutsch-französischen Gemeinschaftskasse von KNDS die Kasse. Doch nun der Schock für alle Freunde der gepflegten Rüstungsrendite. Das Unternehmen bläst seinen Börsengang vorerst ab, weil die Anleger plötzlich zögern, ihr Erspartes in Produkte zu investieren, die auf dem Schlachtfeld eine kürzere Haltbarkeitsdauer haben als eine Kugel Eis in der Sahara. Dabei hatte die Bundesregierung den Einstieg so liebevoll vorbereitet, als wolle Robert Habeck persönlich die Leopard-Panzer mit zertifiziertem Ökostrom betanken. Die Ironie ist kaum zu überbieten: Ausgerechnet jetzt, wo die Politik endlich begriffen hat, dass man diplomatische Differenzen am besten mit 120-Millimeter-Glattandrohren klärt, zeigen sich die Aktionäre so zittrig wie ein Wehrdienstverweigerer bei der Musterung. Offenbar fürchten die Spekulanten nichts mehr als einen plötzlichen Ausbruch von Vernunft oder, noch schlimmer, eine Phase, in der man Konflikte durch Dialog statt durch Durchschlagskraft löst. Wenn Rüstungsaktien an Wert verlieren, weil die Weltlage nicht apokalyptisch genug erscheint, ist das die ultimative Form des Turbokapitalismus: Hier wird erst investiert, wenn der Weltuntergang mindestens mit einem AAA-Rating bewertet wird. KNDS wartet nun lieber ab, bis die allgemeine Zerstörungslust wieder auf ein Niveau steigt, das den Shareholder-Value rechtfertigt. Man muss es positiv sehen: Solange die Aktie stagniert, ist die Menschheit offenbar noch nicht ganz bereit für den finalen Ausverkauf, was für den Aktionär natürlich einer persönlichen Beleidigung durch die Realität gleichkommt.