
Präsenzpflicht im Delirium: Die Bundesregierung erklärt das Siechtum zur staatspolitischen Holschuld
Nachdem die Ampel-Koalition das Vertrauensverhältnis zum Bürger endgültig auf das Niveau einer toxischen On-Off-Beziehung herabgestuft hat, folgt nun die medizinische Zwangsvollstreckung. Die Einführung der Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag ist der geniale Befreiungsschlag gegen das lästige Phänomen der Regeneration. SPD-Chef Lars Klingbeil, der das Wort vernünftig inzwischen so inflationär nutzt wie andere Leute Atemluft, möchte die Umsetzung so bürgernah wie möglich gestalten. Wahrscheinlich bedeutet Vernunft in der sozialdemokratischen Nomenklatur, dass der Patient zwar mit vierzig Grad Fieber zum Hausarzt kriechen muss, dort aber wenigstens ein Glas Leitungswasser und eine Broschüre über die Vorzüge des solidarischen Burnouts erhält. Als Krönung der Absurdität verspricht Gesundheitsministerin Warken die Rettung durch Digitalisierung. Man stellt sich vor, wie der sterbende Arbeitnehmer versucht, seinen grippalen Infekt per QR-Code an eine Serverfarm in der Uckermark zu schicken, während das System meldet, dass die Nase für eine ordnungsgemäße Gesichtserkennung zu stark geschwollen ist. Es ist die Vollendung des preußischen Traums: Der Deutsche hat gefälligst auch im Koma noch die Formulare für seine eigene Arbeitsunfähigkeit zu beglaubigen. Wer es schafft, mit einer Magen-Darm-Grippe drei Stunden im Wartezimmer zwischen keuchenden Rentnern und esoterischen Impfgegnern zu überleben, hat seine Leistungsfähigkeit ohnehin bereits eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Am Ende steht die Erkenntnis der Koalition: Ein Kranker ohne Stempel ist kein Kranker, sondern lediglich ein fauler Optimist mit schlechtem Timing.