
DAX-Höhenflug: Warum Anleger jetzt sogar auf brennende Mülltonnen wetten würden
Während der durchschnittliche Bundesbürger noch rätselt, ob er sich im Supermarkt für die Markenbutter oder die Anzahlung auf seine private Altersvorsorge entscheiden soll, zelebriert das Frankfurter Parkett eine Form von Realitätsverweigerung, die normalerweise medikamentös behandelt wird. Der DAX eilt von Rekord zu Rekord, getrieben von der feuchten Hoffnung auf US-Zinssenkungen, die am Ende doch nur bedeuten, dass das billige Geld endlich wieder dorthin fließen kann, wo es am wenigsten Nutzen stiftet: in die algorithmengetriebene Gier. Es ist die hohe Kunst der Frankfurter Alchemie, aus den Trümmern der Realwirtschaft glitzernde Rendite-Zertifikate zu klöppeln. Die Anleger stürzen sich auf deutsche Aktien mit einer Begeisterung, als gäbe es für jedes DAX-Punkthoch ein kostenloses Set an moralischer Integrität dazu. Selbst die Vorgaben aus Asien werden als Heilsbotschaft interpretiert, dabei ist die fernöstliche Dynamik derzeit eher eine Mischung aus Verzweiflung und der flüchtigen Hoffnung, dass der Westen seinen galoppierenden Konsumwahn aufrechterhält. Die Broker starren derweil auf ihre Bildschirme wie Junkies auf einen ausbleibenden Entzug, während sie das Prinzip Hoffnung zur harten Währung erklären. Am Ende des Tages bleibt die Erkenntnis, dass der DAX heute eine präzisere Fieberkurve für den kollektiven Wahnsinn darstellt als jede soziologische Studie. Wer jetzt noch einsteigt, glaubt vermutlich auch, dass man ein sinkendes Schiff dadurch rettet, dass man den Champagner im Festsaal besonders hoch stapelt. Wenn die Blase platzt, ist zumindest sichergestellt, dass die Verantwortlichen weich fallen – vorzugsweise auf die Polster ihrer staatlich subventionierten Dienstwagen.