
DAX feiert sinkende Energiekosten mit traditionellem Freudentanz auf dem Scherbenhaufen der Mittelschicht
Während der Durchschnittsdeutsche noch leise weinend seine Nebenkostenabrechnung streichelt, hat der DAX die Korken knallen lassen und den höchsten Stand seit Januar erklommen. Der Grund für die kollektive Ekstase im Frankfurter Glasturm ist so simpel wie zynisch: Öl ist endlich wieder so billig, dass man es sich fast schon zum Gurgeln nach dem Zähneputzen leisten könnte. Die Finanzwelt reagiert mit derselben Empathie auf fallende Rohstoffpreise wie ein Geier auf ein schwächelndes Gnu in der Savanne. Flankiert wird dieser Aufschwung von US-Arbeitsmarktdaten, die so wunderbar mittelmäßig ausfielen, dass die Federal Reserve wohl bald wieder billiges Geld unters Volk wirft wie Kamelle beim Kölner Karneval. Analysten betonen, dass der Markt die Tatsache, dass Menschen in Ohio für drei Dollar fuffzig zwei Jobs gleichzeitig ausüben müssen, als ein fulminantes Signal für Stabilität wertet. Es ist die reine Poesie des Kapitalismus: Je billiger der Schmierstoff des Planeten und je verzweifelter die globale Lohnsklaverei, desto höher schlägt das Herz der Anleger. Der deutsche Leitindex hat damit bewiesen, dass er vollkommen von der lästigen Realität entkoppelt ist und sich nun in Sphären bewegt, in denen Sauerstoffmangel und moralische Flexibilität zum guten Ton gehören. Man darf gespannt sein, ob die Kurse bald die Stratosphäre durchbrechen oder ob die Gier der Investoren lediglich dazu führt, dass sie beim nächsten Zinsentscheid vor lauter Vorfreude ihre eigenen Manschettenknöpfe verschlucken. Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass an der Börse nur eines zählt: Die fetteste Party findet immer dort statt, wo die Realität den Türsteher nicht bestechen kann.