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Die AOK hat ein Geheimnis gelüftet, das in deutschen Management-Etagen bisher so diskret behandelt wurde wie die Nebeneinkünfte von Bundestagsabgeordneten. Unbesetzte Pflegestellen sind kein Versagen des Personalwesens, sondern ein hochmodernes Optimierungstool der Heimbetreiber. Während die Politik noch über den Pflegenotstand klagt, haben renditeorientierte Betreiber längst erkannt, dass der effizienteste Mitarbeiter derjenige ist, der gar nicht erst auftaucht, kein Gehalt bezieht und keinen Kaffee wegtrinkt. Es ist die algorithmische Perfektion des Kapitalismus: Je weniger Hände am Patienten sind, desto mehr Scheine wandern in die Dividende. Tina Friedrich und Torsten Mandalka belegen trocken, dass Qualität in der Pflege lediglich ein störender Kostenfaktor ist, der den Shareholder-Value unnötig verwässert. Wer braucht schon Dekubitusprophylaxe, wenn er ein diversifiziertes Aktienportfolio haben kann. In einer Gesellschaft, die den Tod erfolgreich ins Hinterzimmer des Bewusstseins verbannt hat, fungieren Heime nun als spezialisierte Parkhäuser für die Erlebnisgeneration von gestern, deren größter Service darin besteht, die Erben nicht zu früh zu belasten. Die Heimleitung betrachtet die Pfleger-Knappheit nicht als Mangel, sondern als ästhetische Verknappung im Sinne eines exklusiven Minimalismus. Wenn eine einzelne Pflegekraft nachts für drei Etagen zuständig ist, fördert das schließlich die sportliche Agilität des Personals und spart die Kosten für ein Fitnessstudio. Am Ende bleibt die Erkenntnis: Ein leeres Dienstzimmer ist der sicherste Weg zu einer vollen Bilanz, denn im Gegensatz zu Patienten beschweren sich Bankkonten selten über mangelnde Zuwendung. Wer heute noch auf qualifiziertes Personal setzt, hat den destruktiven Charme der modernen Betriebswirtschaftslehre schlicht nicht verstanden.
Wirtschaft

Pflege-Paradoxon: Maximale Rendite durch Abwesenheit lästiger Fachkräfte und lächelnder Pfleger

Die AOK hat ein Geheimnis gelüftet, das in deutschen Management-Etagen bisher so diskret behandelt wurde wie die Nebeneinkünfte von Bundestagsabgeordneten. Unbesetzte Pflegestellen sind kein Versagen des Personalwesens, sondern ein hochmodernes Optimierungstool der Heimbetreiber. Während die Politik noch über den Pflegenotstand klagt, haben renditeorientierte Betreiber längst erkannt, dass der effizienteste Mitarbeiter derjenige ist, der gar nicht erst auftaucht, kein Gehalt bezieht und keinen Kaffee wegtrinkt. Es ist die algorithmische Perfektion des Kapitalismus: Je weniger Hände am Patienten sind, desto mehr Scheine wandern in die Dividende. Tina Friedrich und Torsten Mandalka belegen trocken, dass Qualität in der Pflege lediglich ein störender Kostenfaktor ist, der den Shareholder-Value unnötig verwässert. Wer braucht schon Dekubitusprophylaxe, wenn er ein diversifiziertes Aktienportfolio haben kann. In einer Gesellschaft, die den Tod erfolgreich ins Hinterzimmer des Bewusstseins verbannt hat, fungieren Heime nun als spezialisierte Parkhäuser für die Erlebnisgeneration von gestern, deren größter Service darin besteht, die Erben nicht zu früh zu belasten. Die Heimleitung betrachtet die Pfleger-Knappheit nicht als Mangel, sondern als ästhetische Verknappung im Sinne eines exklusiven Minimalismus. Wenn eine einzelne Pflegekraft nachts für drei Etagen zuständig ist, fördert das schließlich die sportliche Agilität des Personals und spart die Kosten für ein Fitnessstudio. Am Ende bleibt die Erkenntnis: Ein leeres Dienstzimmer ist der sicherste Weg zu einer vollen Bilanz, denn im Gegensatz zu Patienten beschweren sich Bankkonten selten über mangelnde Zuwendung. Wer heute noch auf qualifiziertes Personal setzt, hat den destruktiven Charme der modernen Betriebswirtschaftslehre schlicht nicht verstanden.

03.07.2026, 10:01 · Ausgabe Nr. 281

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Seit Jahren wird über fehlendes Pflegepersonal geklagt - darunter leidet die Qualität der Pflege. Doch was kaum jemand weiß: Unbesetzte Stellen können den Heimbetreibern sogar Gewinne ermöglichen. Von Tina Friedrich und Torsten Mandalka.

Quelle: tagesschau.de