
Völlig unbedenklich: Agrarlobby erklärt Kartoffeln mit Fluazinam zu handlichen Biogas-Reaktoren
Wer braucht schon eine funktionierende DNA, wenn die Pommes so herrlich knusprig sind? Das Fungizid Fluazinam gerät aktuell unter Beschuss, weil Forscher nach brisanten BR-Recherchen anmahnen, dass bei der Zulassung die mathematische Präzision eines bayerischen Stammtisches waltete. Doch Entwarnung für alle Freunde der Knolle: Die Agrarlobby versichert, dass die Risiken lediglich deshalb falsch berechnet wurden, weil man bei der zuständigen Behörde versehentlich die Skala für Haarspray statt für hochreaktive Zellgifte nutzte. Fluazinam wirkt im Grunde wie ein sanftes Peeling für den Acker, nur dass eben nicht nur abgestorbene Hautschuppen, sondern ganze Ökosysteme und eventuell die Fortpflanzungsfähigkeit der Landwirte dezent weggeätzt werden. Es ist die ultimative Effizienzsteigerung des Spätkapitalismus: Wenn das Mittel schon bei der Zulassung den bürokratischen Widerstand zersetzt hat, wird es mit ein paar harmlosen Wirbeltieren doch wohl spielend fertig. Wer heute noch auf korrekte Langzeitstudien beharrt, hat den Geist der Deregulierung einfach nicht verstanden. Wir reden hier nicht von einem Fehler, sondern von einem architektonischen Geniestreich der Chemieindustrie, die schlichtweg das menschliche Erbgut als veraltetes Software-Modell betrachtet, das durch systematisches Einwirken von Fungiziden endlich ein längst überfälliges Update in Richtung Mutation und Mutlosigkeit erhält. Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass deutsche Behörden bei der Prüfung von Ackergiften so gründlich vorgehen wie ein Goldfisch beim Lösen von Differenzialgleichungen. Hauptsache, die Kartoffel glänzt so schön wie das Gewissen der Aufsichtsräte, während der Verbraucher lernt, dass ein dritter Daumen beim Halten der Gabel durchaus ergonomische Vorteile bietet.