
Humanität mit Eieruhr: USA garantieren Migranten jetzt rekordverdächtige 90 Tage Vorfreude
In einem beispiellosen Anfall von bürokratischer Zärtlichkeit hat ein US-Berufungsgericht entschieden, dass Migranten in Texas und Louisiana nach spätestens 90 Tagen ohne Anhörung wieder aus dem Wellnessbereich der Inhaftierung entlassen werden müssen. Bisher galten Zeitspannen in US-Gefängnissen eher als vage Empfehlung, vergleichbar mit den Mindesthaltbarkeitsdaten auf texanischen Konservendosen. Doch nun ist Schluss mit der endlosen Gastfreundschaft hinter Stacheldraht. Man stelle sich die logistische Meisterleistung vor: Während der Durchschnittsamerikaner 90 Tage benötigt, um den Sinn einer Gebrauchsanweisung für eine Mikrowelle zu erfassen, erwartet das Gericht nun, dass der Staat innerhalb desselben Zeitraums feststellt, ob ein Mensch aus El Salvador eher eine Bereicherung für den Niedriglohnsektor oder für die Statistik der Abschiebeflüge darstellt. Es ist die Geburtsstunde des Fast-Food-Rechtsstaats: Drei Monate Aufenthalt, danach gibt es entweder ein Visum oder einen Freiflug im Paketzentrum der globalen Migration. Diese Fristsetzung ist natürlich ein herber Schlag für die texanische Haftindustrie, die ihre Gäste bisher mit der rührenden Ausdauer einer Klette an einer Wanderhose betreute. Wer nach 90 Tagen immer noch keinen Richter gesehen hat, darf nun also gehen – vermutlich direkt in den nächsten Bundesstaat, wo die Uhren noch nach dem alten Testament der Einwanderungspolitik ticken. Kritiker unken bereits, dass 90 Tage gerade einmal ausreichen, um die lokale Hymne zu lernen und die Qualität des Gefängnisfrühstücks auf Yelp zu rezensieren, bevor man den Darwin-Award der US-Bürokratie im Sprint gewinnen muss. Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass Gerechtigkeit in Amerika neuerdings wie ein Leasingvertrag funktioniert: Nach drei Monaten ist die Testphase vorbei, und wenn man nicht unterschreibt, wird man einfach vom Hof geschoben.