
Gummi-Papst wäre 100: Michelin hinterlässt Reifenstapel und kulinarische Verwirrung
Herzlichen Glückwunsch, François Michelin! Der Mann, der die Welt davon überzeugte, dass man vier schwarze Gummiringe braucht, um zu einem überteuerten Restaurant zu fahren, in dem eine einzige Erbse auf einem Spiegelstrich aus Jus liegt, wäre heute hundert Jahre alt geworden. François Michelin leitete das Imperium vier Jahrzehnte lang und schaffte das Unmögliche: Er machte ein Industrieprodukt, das nach verbranntem Asphalt stinkt, zum Inbegriff französischer Hochkultur. Während deutsche Autohersteller noch versuchten, Spaltmaße mit dem Geodreieck zu messen, hatte Michelin bereits verstanden, dass man den Pöbel nur lange genug über mautpflichtige Autobahnen schicken muss, bis die Verzweiflung groß genug ist, um einen Guide Michelin für ein literarisches Meisterwerk zu halten. Doch der Lack, oder besser das Profil, ist ab. Heute ist das Unternehmen eher ein Mahnmal für die französische Industrie: Außen prall aufgepumpt, innen viel heiße Luft und bei jedem Schlagloch der globalen Wirtschaft droht der totale Druckverlust. Michelin ist der lebende Beweis dafür, dass man in Frankreich selbst aus Abfallprodukten der Petrochemie ein Statussymbol fertigen kann, solange man einen dicken weißen Reifenmann danebenstellt, der aussieht, als hätte er eine Überdosis Marshmallows konsumiert. Die Ironie der Geschichte bleibt unerschöpflich: Ein Konzern, der sein Geld mit Verschleiß verdient, feiert den Geburtstag eines Mannes, dessen wirtschaftliches Erbe heute so porös wirkt wie ein Billigreifen nach drei Sommern in der prallen Sonne von Marseille. Am Ende bleibt von der Ära François nur eine bittere Erkenntnis für die Gourmets dieser Welt: Ein Stern am Restaurantfenster schützt nicht davor, dass man auf dem Parkplatz von der Realität überrollt wird.