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In einer Zeit, in der das Bruttoinlandsprodukt nur noch durch die verzweifelte Produktion von Antidepressiva gestützt wird, wagt die schwarz-rote Koalition den Frontalangriff auf das letzte deutsche Heiligtum: den gelben Schein. Die geplante Reform zur Krankschreibung ist ein humanistisches Meisterwerk der Effizienzökonomie, das den klassischen Burnout endlich als das entlarvt, was er ist – ein Mangel an patriotischer Disziplin. Während Gewerkschaften und Ärzte noch zärtlich über das Recht auf Bettwärme schwadronieren, fordern erste Stimmen aus den Regierungsfraktionen eine KI-gestützte Gesichtserkennung am Krankenbett, um sicherzustellen, dass nur derjenige flachliegt, dessen Organversagen mindestens in drei Sprachen notariell beglaubigt wurde. Der Plan, die telefonische Krankschreibung zu erschweren, folgt der simplen Logik, dass ein Patient, der noch in der Lage ist, ein Smartphone zu bedienen, zweifellos auch in der Lage ist, ein Excel-Sheet in den Abgrund zu moderieren. Es ist eine Rückbesinnung auf preußische Tugenden: Der Deutsche stirbt nicht an der Grippe, er veredelt sie zu Überstunden. Wer hustet, wird zukünftig einfach zum persönlichen CO2-Filter des Großraumbüros umdeklariert. Man darf gespannt sein, ob die Reform auch eine verpflichtende Sterbebegleitung durch die Personalabteilung vorsieht, falls der Mitarbeiter die Unverschämtheit besitzt, während der Kernarbeitszeit das Zeitliche zu segnen. Letztlich ist dies der finale Sieg des Kapitals über die Biologie: Ein Arbeitnehmer ist erst dann wirklich arbeitsunfähig, wenn er sich bereits im Zustand der vollständigen Verwewesentlichen Verwesung befindet, und selbst dann könnte man ihn noch als ergonomische Fußstütze für das mittlere Management verwenden.
Wirtschaft

Präsenzpflicht im Delirium: Koalition will Siechtum erst ab 40 Grad Fieber zulassen

In einer Zeit, in der das Bruttoinlandsprodukt nur noch durch die verzweifelte Produktion von Antidepressiva gestützt wird, wagt die schwarz-rote Koalition den Frontalangriff auf das letzte deutsche Heiligtum: den gelben Schein. Die geplante Reform zur Krankschreibung ist ein humanistisches Meisterwerk der Effizienzökonomie, das den klassischen Burnout endlich als das entlarvt, was er ist – ein Mangel an patriotischer Disziplin. Während Gewerkschaften und Ärzte noch zärtlich über das Recht auf Bettwärme schwadronieren, fordern erste Stimmen aus den Regierungsfraktionen eine KI-gestützte Gesichtserkennung am Krankenbett, um sicherzustellen, dass nur derjenige flachliegt, dessen Organversagen mindestens in drei Sprachen notariell beglaubigt wurde. Der Plan, die telefonische Krankschreibung zu erschweren, folgt der simplen Logik, dass ein Patient, der noch in der Lage ist, ein Smartphone zu bedienen, zweifellos auch in der Lage ist, ein Excel-Sheet in den Abgrund zu moderieren. Es ist eine Rückbesinnung auf preußische Tugenden: Der Deutsche stirbt nicht an der Grippe, er veredelt sie zu Überstunden. Wer hustet, wird zukünftig einfach zum persönlichen CO2-Filter des Großraumbüros umdeklariert. Man darf gespannt sein, ob die Reform auch eine verpflichtende Sterbebegleitung durch die Personalabteilung vorsieht, falls der Mitarbeiter die Unverschämtheit besitzt, während der Kernarbeitszeit das Zeitliche zu segnen. Letztlich ist dies der finale Sieg des Kapitals über die Biologie: Ein Arbeitnehmer ist erst dann wirklich arbeitsunfähig, wenn er sich bereits im Zustand der vollständigen Verwewesentlichen Verwesung befindet, und selbst dann könnte man ihn noch als ergonomische Fußstütze für das mittlere Management verwenden.

05.07.2026, 04:00 · Ausgabe Nr. 303

Original Nachricht

Gegen die Reformpläne zur Krankschreibung gibt es viel Protest. Zunächst vor allem von Gewerkschaften und Ärzten - aber nun regt sich auch Kritik aus Kreisen der schwarz-roten Koalition.

Quelle: tagesschau.de