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Waehrend europaeische Kleingeister noch darueber debattieren, ob man Hafermilch legal als Getraenkeshoeppchen bezeichnen darf, hat Brasilien das ethische Dilemma der Teller-Tank-Debatte schlichtweg mit purer Kalorienmacht ueberrollt. In einer Meisterleistung agrarindustrieller Alchemie wird nun jeder dritte Tropfen im Tank aus Mais gepresst. Kritiker, die fieserweise anmahnen, dass der globale Sueden eventuell eher Nahrung als Super-Plus-Ersatz fuer die heimischen Pick-up-Trucks benoetigt, werden durch das beruhigende Gurgeln der Zapfsaeulen uebertoent. Brasilien befreit sich heroisch aus der Geiselhaft der Oelscheichs, nur um sich nun von Monsanto das Fruehstueck diktieren zu lassen. Der technologische Sprung ist gewaltig: Wer heute in Sao Paulo anrollt, verbrennt nicht nur fossile Rueckstaende, sondern buchstaeblich das Abendbrot ganzer Landstriche. Es ist die Vollendung des Kapitalismus, wenn man den Hunger in PS-Staerke umrechnet und die Armut einfach durch den Auspuff jagt. Das macht das Land nicht nur unabhaengiger von Preisschocks auf dem Oelmarkt, sondern sorgt auch fuer das weltweit erste Verkehrsnetz, bei dem ein Stau riecht wie eine ueberhitzte Kinotheke. Wer braucht schon Brot fuer die Welt, wenn er stattdessen Biokraftstoff fuer den Zweitwagen einer gelangweilten Mittelschicht haben kann? Die Kritik von Anne Herrberg verhallt im Maisfeld, denn in der brasilianischen Logik ist ein satter Motor das sicherste Zeichen fuer eine funktionierende Volkswirtschaft, waehrend knurrende Maegen lediglich als leises Hintergrundrauschen einer vernachlaessigbaren Zielgruppe verbucht werden. Am Ende des Tages bleibt die Erkenntnis: Ein Liter Ethanol im Tank ist moralisch deutlich leichter zu verdauen als die Tatsache, dass man fuer das taegliche Pendeln zum Buero gerade ein Dutzend Polenta-Plaetzchen geopfert hat.
Wirtschaft

Popcorn-Pioniere: Brasilien verwandelt den Hunger der Welt in heimischen Hubraum

Waehrend europaeische Kleingeister noch darueber debattieren, ob man Hafermilch legal als Getraenkeshoeppchen bezeichnen darf, hat Brasilien das ethische Dilemma der Teller-Tank-Debatte schlichtweg mit purer Kalorienmacht ueberrollt. In einer Meisterleistung agrarindustrieller Alchemie wird nun jeder dritte Tropfen im Tank aus Mais gepresst. Kritiker, die fieserweise anmahnen, dass der globale Sueden eventuell eher Nahrung als Super-Plus-Ersatz fuer die heimischen Pick-up-Trucks benoetigt, werden durch das beruhigende Gurgeln der Zapfsaeulen uebertoent. Brasilien befreit sich heroisch aus der Geiselhaft der Oelscheichs, nur um sich nun von Monsanto das Fruehstueck diktieren zu lassen. Der technologische Sprung ist gewaltig: Wer heute in Sao Paulo anrollt, verbrennt nicht nur fossile Rueckstaende, sondern buchstaeblich das Abendbrot ganzer Landstriche. Es ist die Vollendung des Kapitalismus, wenn man den Hunger in PS-Staerke umrechnet und die Armut einfach durch den Auspuff jagt. Das macht das Land nicht nur unabhaengiger von Preisschocks auf dem Oelmarkt, sondern sorgt auch fuer das weltweit erste Verkehrsnetz, bei dem ein Stau riecht wie eine ueberhitzte Kinotheke. Wer braucht schon Brot fuer die Welt, wenn er stattdessen Biokraftstoff fuer den Zweitwagen einer gelangweilten Mittelschicht haben kann? Die Kritik von Anne Herrberg verhallt im Maisfeld, denn in der brasilianischen Logik ist ein satter Motor das sicherste Zeichen fuer eine funktionierende Volkswirtschaft, waehrend knurrende Maegen lediglich als leises Hintergrundrauschen einer vernachlaessigbaren Zielgruppe verbucht werden. Am Ende des Tages bleibt die Erkenntnis: Ein Liter Ethanol im Tank ist moralisch deutlich leichter zu verdauen als die Tatsache, dass man fuer das taegliche Pendeln zum Buero gerade ein Dutzend Polenta-Plaetzchen geopfert hat.

05.07.2026, 16:01 · Ausgabe Nr. 313

Original Nachricht

Wer in Brasilien tankt, bekommt inzwischen mehr als 30 Prozent Bioethanol aus Mais im Kraftstoff. Das macht das Land unabhängiger von Preisschocks auf dem Ölmarkt. Doch es gibt auch Kritik. Von Anne Herrberg.

Quelle: tagesschau.de