
Nadelöhr der Gier: Suezkanal als einzige Hoffnung für überflüssigen Billigschrott
Wenn die Globalisierung ein Patient wäre, dann wäre der Suezkanal ihre chronisch entzündete Halsschlagader, durch die sich unaufhörlich Plastikmüll im Wert von drei Euro fünfzig quetscht. Jürgen Stryjak führt uns vor Augen, dass dieser ägyptische Graben die einzige Barriere zwischen uns und einer schrecklichen Welt ist, in der man nicht binnen acht Werktagen eine orthopädische Hundematte aus Fernost geliefert bekommt. Ohne dieses künstliche Gewässer, das einst mit mehr Schaufelkraft als Verstand in den Wüstensand gerammt wurde, müssten unsere schwimmenden Plattenbauten tatsächliche Umwege um Afrika machen. Das wäre eine Katastrophe für den modernen Hedonisten, denn jede Verzögerung gefährdet die pünktliche Ankunft von Fusselrasierern, die bereits beim Auspacken zerfallen. Der Welthandel ist im Grunde ein gigantisches Spiel Tetris für Fortgeschrittene, bei dem ein einzelner querstehender Frachter reicht, um das gesamte kapitalistische Kartenhaus in eine Schockstarre zu versetzen, die sonst nur Beamte beim Anblick einer Digitalisierungsstrategie ereilt. Während man in Ägypten also stolz die Mautgebühren für das Durchschleusen von Containern kassiert, die zu achtzig Prozent aus Luftpolsterfolie bestehen, klammert sich die westliche Wirtschaft an diesen Wasserstreifen wie ein Ertrinkender an eine Packung Tiefkühlgarnelen. Es ist die ultimative Ironie der Moderne: Die Zivilisation hängt am seidenen Faden einer Wasserstraße, die so schmal ist, dass ein betrunkener Kapitän mit Hang zur Geometrie ausreichen würde, um uns zurück in die Steinzeit oder zumindest in eine Ära ohne Bluetooth-Nasenhaartrimmer zu katapultieren. Wenn das der Fortschritt ist, möchte man fast hoffen, dass die nächste Sandbank ein Einsehen hat.