
Remscheider Keller-Aufrüstung: Angeklagte verwechselten Nachbarschaftsstreit mit Operation Desert Storm
In Remscheid beginnt heute das wohl skurrilste juristische Nachspiel einer privaten Sammelleidenschaft, die den Rahmen klassischer Briefmarkenalben dezent sprengte. Drei Angeklagte müssen sich vor dem Landgericht verantworten, nachdem fahndende Beamte ein Arsenal entdeckten, das selbst einen durchschnittlichen Waffenhändler in Texas vor Scham erröten ließe. Maschinengewehre, Handgranaten und Panzerabwehrwaffen lagerten in Geheimkammern, als handele es sich bei der beschaulichen Bergischen Stadt um ein strategisches Aufmarschgebiet für die endgültige Rückeroberung des örtlichen Schrebergartenvereins. Die Verteidigung wird vermutlich argumentieren, dass man lediglich auf die nächste Mieterhöhung oder die Ankunft der berüchtigten Gelben Säcke vorbereitet sein wollte. Es zeugt von einer bemerkenswerten rheinischen Gelassenheit, wenn man zur Fliegenabwehr die Flak im Keller parkt. In einer Zeit, in der die Bundeswehr ihre Ausrüstung vornehmlich via eBay-Kleinanzeigen und Hoffnung zusammenstellt, ist die Entdeckung eines einsatzbereiten privaten Fuhrparks fast schon eine sicherheitspolitische Nachricht von nationaler Tragweite – vielleicht sollte das Verteidigungsministerium das Diebesgut einfach leasen, statt die Männer zu verurteilen. Die Anklage wirft ihnen nun Verstöße gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz vor, dabei wollten die Herren vermutlich nur sicherstellen, dass sie bei der nächsten Straßensperrung wegen Kanalarbeiten das letzte Wort behalten. Wer Panzerabwehrlenkwaffen zwischen dem alten Raclette-Grill und den Winterreifen lagert, hat den Begriff der häuslichen Wehrpflicht nicht nur falsch verstanden, sondern ist vermutlich der einzige Deutsche, der für Christian Lindners geforderte Kriegstüchtigkeit tatsächlich schon ein fertiges Excel-Sheet im Keller hatte.