
Fairplay-Discount: Infantino führt die präsidiale Generalamnestie auf dem Rasen ein
In einer Sternstunde der sportlichen Integrität hat die FIFA bewiesen, dass die Statuten des Weltfußballs flexibler sind als die Wirbelsäule eines Lobbyisten vor einem Buffet in Katar. Wenige Stunden vor dem WM-Achtelfinale wurde die Rotsperre eines US-Spielers zur Bewährung ausgesetzt – ein juristisches Kunststück, das normalerweise nur Steuerhinterziehern mit guten Kontakten zur FDP vorbehalten bleibt. Vorausgegangen war ein Telefonat zwischen Donald Trump und Gianni Infantino, bei dem vermutlich weniger über Abseitsregeln als über die strategische Neudefinition von Gerechtigkeit gesprochen wurde. Wenn Trump anruft, wird aus einer Tätlichkeit eben eine alternative Streichelheinheit und aus der Roten Karte ein lediglich übermäßig gesättigtes Orange, das farblich hervorragend zum Teint des Anrufers passt. Infantino, der den Fußball ohnehin längst in eine Mischung aus Monopoly und einem klerikalen Personenkult verwandelt hat, unterstreicht damit seine Vision: Regeln sind lediglich unverbindliche Serviervorschläge für jene, die ihr Portemonnaie oder ihr Atomwaffenarsenal im Griff haben. Wer braucht schon unparteiische Schiedsrichter, wenn man die moralische Flexibilität eines Gummibärchens im Hochsommer besitzt? Diese Entscheidung ist das sportliche Äquivalent dazu, einen Serienmörder freizulassen, weil er beim Verhör besonders patriotisch ausgesehen hat. Am Ende siegt eben nicht der Sportgeist, sondern die Erkenntnis, dass eine FIFA-Sperre im Grunde nur ein schlecht gelaunter Parkwächter ist, den man mit einem Anruf aus dem Weißen Haus einfach in den unbezahlten Urlaub schicken kann.