
Eierlose Renditejäger: DAX-Anleger flüchten beim ersten Hauch von wirtschaftlicher Vernunft
Nachdem der DAX zuletzt so steil nach oben schoss, dass selbst Cum-Ex-Olaf kurzzeitig den Überblick über seine Gedächtnislücken verlor, kehrt nun die gewohnte deutsche Panik auf das Parkett zurück. Kaum liefert die Industrieproduktion valide Zahlen, die nicht nach einer baldigen Insolvenzverwaltung der Bundesrepublik klingen, packen die Investoren ihre Gewinne ein und rennen so schnell davon, wie ein Drahtseilakt-Manager vor der Betriebsprüfung. Man nennt es Gewinnmitnahme, in Wahrheit ist es die finanzielle Entsprechung eines frühzeitigen Samenergusses bei einem FDP-Wählerstammtisch. Dass Samsung in Asien mit starken Zahlen glänzt, wirkt auf den hiesigen Anleger wie eine Einladung zur Darmspiegelung: Man ahnt, dass etwas Gutes kommen könnte, fürchtet sich aber vor dem Instrumentarium. Die Angst vor dem Risiko ist derart pathologisch, dass der durchschnittliche Broker mittlerweile schon bei einer leichten Brise am Kaffeautomaten eine Absicherung gegen Hurrikans kauft. Diese hysterische Vorsicht führt dazu, dass der DAX aktuell mehr Gemeinsamkeiten mit einem Senioren-Treppenlift hat als mit einem dynamischen Wirtschaftsbarometer: Sobald es zwei Stufen nach oben geht, greifen die Sicherheitsbremsen, weil man oben angekommen vielleicht nicht mehr weiß, warum man eigentlich losgefahren ist. Am Ende bleibt die bittere Erkenntnis, dass der deutsche Aktionär lieber auf seinem Sparbuch verrottet, als zu riskieren, dass das Depot versehentlich mehr Rendite abwirft als ein durchschnittliches Flaschenpfand-Sortiment.