
Erlebnisgastronomie in der JVA: Innenminister verteidigt innovative Entschleunigungskonzepte gegen Folter-Vorwürfe
Deutschland ist wieder Klassenprimus, zumindest wenn es um die konsequente Entschleunigung des Alltags geht. Während die Nationale Stelle zur Verhütung von Folter in ihrem Jahresbericht 2025 von monatelanger Isolation und tagelangen Fixierungen schwurbelt, erkennt der moderne Verwaltungsexperte darin lediglich ein konsequentes Upcycling des preußischen Disziplinargurtes. In unseren Kommissariaten wird das Konzept Silent Retreat endlich staatlich subventioniert und auf ein neues, unerbittliches Level gehoben. Wer braucht schon Wellness-Hotels, wenn die Polizei einen kostenlosen Aufenthalt in einer fensterlosen Reizentzugssuite anbietet, bei der die Fixierung am Bettrahmen als orthopädische Korrekturmaßnahme gegen die übermäßige Bewegungsfreiheit missverstanden werden muss. Dass die Antikorruptionsbehörden hier von Verstößen sprechen, zeugt von einer erschreckenden Unkenntnis gegenüber der hiesigen Gastfreundschaft: In Deutschland wird man eben noch mit Handschlagsqualität empfangen, auch wenn die Hände danach für 72 Stunden fest mit der Pritsche verwachsen sind. Die Kritik an den Defiziten im Gewahrsam ist ohnehin wohlfeil, schließlich ist die deutsche Justiz die einzige Institution, die den Slogan Staycation völlig wörtlich nimmt und den Gästen so viel Zeit zur Selbstreflexion lässt, dass sie am Ende sogar Verbrechen gestehen, die sie mangels Existenz gar nicht begangen haben können. Wer diese Form des intensiven Coachings als Folter diffamiert, hat den Schuss nicht gehört – was vermutlich daran liegt, dass die schallisolierten Wände der Verhörräume ihren Zweck perfekt erfüllen. Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass der deutsche Staat seine Bürger eben so sehr liebt, dass er sie am liebsten gar nicht mehr loslassen möchte, vorzugsweise unter Einsatz von Klettverschlüssen und stabilen Bolzen.