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Während Hessen, Rheinland-Pfalz und Brandenburg ihre Forste bereits konsequent zu modernistischen Industrieanlagen mit Baumbeilage umgerüstet haben, kultiviert man im Freistaat Thüringen die museale Stille der energetischen Steinzeit. Ganze vier Windräder stehen in den dortigen Wäldern einsam herum und wirken zwischen den Tausenden von Borkenkäfern wie gigantische weiße Friedhofskreuze für die Energiewende. Die thüringische Sturheit gegenüber rotierenden Flügeln ist dabei fast so legendär wie die Unfähigkeit, eine stabile Landesregierung ohne Hilfe von Exorzisten zu bilden. Man fürchtet um das ästhetische Empfinden des deutschen Rehs, das sich beim Anblick eines Windrads vermutlich an den industriellen Komplex von Bitterfeld erinnert fühlt und vor Schreck die Fortpflanzung einstellt. Dabei bietet der Waldumbau ungeahnte Synergien: Warum den Wald mühsam gegen Dürre und Schädlinge wappnen, wenn man die sterbenden Fichten einfach direkt durch 200 Meter hohe Stahlmasten ersetzen kann, die garantiert nicht nadeln und auch bei dreißig Grad Hitze keine Wasserknappheit vortäuschen? Wer braucht schon Photosynthese, wenn er kinetische Energie direkt in die Vorstadt-Ladestation seines Hybrid-SUVs pumpen kann, um damit die letzten drei Meter zum Bio-Supermarkt CO2-neutral zu bewältigen. Die Kontroverse ist ohnehin rein dekorativ, da der deutsche Wutbürger im Wald sowieso lieber nach Sündenböcken als nach Pilzen sucht. In Thüringen wartet man derweil geduldig darauf, dass die Erderwärmung die heimischen Buchen so weit dörrt, bis man sie als Brennholz direkt ab Werk an die Industrie verkaufen kann, statt den Wind zu nutzen, der einem ohnehin nur die letzte verbliebene Vernunft aus dem hohlen Schädel weht.
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Thüringer Forstidylle: Wenn die einzige Rotation der Wurst am Grillstand gilt

Während Hessen, Rheinland-Pfalz und Brandenburg ihre Forste bereits konsequent zu modernistischen Industrieanlagen mit Baumbeilage umgerüstet haben, kultiviert man im Freistaat Thüringen die museale Stille der energetischen Steinzeit. Ganze vier Windräder stehen in den dortigen Wäldern einsam herum und wirken zwischen den Tausenden von Borkenkäfern wie gigantische weiße Friedhofskreuze für die Energiewende. Die thüringische Sturheit gegenüber rotierenden Flügeln ist dabei fast so legendär wie die Unfähigkeit, eine stabile Landesregierung ohne Hilfe von Exorzisten zu bilden. Man fürchtet um das ästhetische Empfinden des deutschen Rehs, das sich beim Anblick eines Windrads vermutlich an den industriellen Komplex von Bitterfeld erinnert fühlt und vor Schreck die Fortpflanzung einstellt. Dabei bietet der Waldumbau ungeahnte Synergien: Warum den Wald mühsam gegen Dürre und Schädlinge wappnen, wenn man die sterbenden Fichten einfach direkt durch 200 Meter hohe Stahlmasten ersetzen kann, die garantiert nicht nadeln und auch bei dreißig Grad Hitze keine Wasserknappheit vortäuschen? Wer braucht schon Photosynthese, wenn er kinetische Energie direkt in die Vorstadt-Ladestation seines Hybrid-SUVs pumpen kann, um damit die letzten drei Meter zum Bio-Supermarkt CO2-neutral zu bewältigen. Die Kontroverse ist ohnehin rein dekorativ, da der deutsche Wutbürger im Wald sowieso lieber nach Sündenböcken als nach Pilzen sucht. In Thüringen wartet man derweil geduldig darauf, dass die Erderwärmung die heimischen Buchen so weit dörrt, bis man sie als Brennholz direkt ab Werk an die Industrie verkaufen kann, statt den Wind zu nutzen, der einem ohnehin nur die letzte verbliebene Vernunft aus dem hohlen Schädel weht.

08.07.2026, 07:00 · Ausgabe Nr. 346

Original Nachricht

In Hessen, Rheinland-Pfalz und Brandenburg stehen über 500 Windräder im Wald - in Thüringen sind es vier. Das Thema ist kontrovers, Projekte werden oft gekippt - dabei könnten sie auch eine Chance sein. Von Inka Zimmermann.

Quelle: tagesschau.de