
Manhattan-Statik: Tesafilm und Gebete retten New Yorker Immobilienmarkt vor dem Durchrutschen
In Manhattan, wo die Immobilienpreise üblicherweise schneller steigen als die Pegelstände bei der nächsten Sintflut, hat das Ingenieurwesen ein neues Kapitel der angewandten Hoffnungslosigkeit aufgeschlagen. Nachdem in einem Wolkenkratzer Risse klafften, die groß genug waren, um die gesamte Glaubwürdigkeit der New Yorker Bauaufsicht darin zu versenken, gaben Experten nun Entwarnung. Das Fundament sei wieder stabil, hieß es aus Kreisen, die auch ein brennendes Streichholz im Pulverfass als wohlige Kaminatmosphäre verkaufen würden. Die Notreparaturen erfolgten offenbar nach dem Prinzip Hoffnung: Ein bisschen Epoxidharz hier, ein beherzter Klaps auf die krumme Stütze dort und die feste Überzeugung, dass die Schwerkraft für zahlungskräftige Manhattan-Mieter ohnehin nur eine unverbindliche Empfehlung darstellt. Es ist die hohe Kunst der vertikalen Verdrängung: Ein Gebäude gilt in New York bereits dann als bewohnbar, wenn es nicht aktiv versucht, seine Bewohner innerhalb der nächsten fünf Minuten zu kompostieren. Während die Evakuierten in ihre schiefen Loft-Idylle zurückkehren, bleibt der bittere Beigeschmack, dass die Statik des Gebäudes mittlerweile den moralischen Standards der Wall Street entspricht: Außen glänzt der Chrom, während innen alles am seidenen Faden der puristischen Gier hängt. Man muss den Mut der Statiker bewundern, die das Wort Stabilität so flexibel interpretieren wie ein durchschnittlicher Politiker seine Wahlversprechen. Am Ende ist das Hochhaus wie die moderne FDP: Oben spielt man die große Welt, während unten die tragenden Säulen unter der Last der Realität lautstark um Gnade winseln. Man darf gespannt sein, ob die Mieter künftig zur Miete auch ein kostenloses Set Wasserwaagen erhalten, damit sie wenigstens beim morgendlichen Kaffeekochen bemerken, in welchen Neigungswinkel sich ihr exklusives Leben heute wieder verabschiedet.